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Der ganze Rest – Hübsch

02/10/25
von David Spring

Der ganze Rest - Hübsch

Dackelton Records / VÖ: 3. Oktober 2025 / Punk
derganzerest.com

Text: David Spring

Wer in unserer kaputten Gesellschaft die Augen und Herz offen hält, tut sich keinen Gefallen. Die Welt steht am Abgrund, die Missstände und Ungerechtigkeiten sind mannigfaltig und die Herausforderung scheint kaum überwindbar. Darum überrascht es kaum, dass derzeit verdammt viele unglaublich gute Punk-Alben das Licht der Welt erblicken. Eine tolle Mischung aus mutmachenden Denkanstössen, lodernder Leidenschaft für eine bessere Welt und der nötigen Portion Wut gibt es auf «Hübsch», dem neusten Werk von Der ganze Rest.

«Monoton», der Opener des vierten Werks der Punkband aus Stuttgart, kämpft gleich lautstark gegen dieses schleichende Gefühl der Ohnmacht an: «wir haben zu gut geschlafen, kein Bock auf die ständige Resignation, wir müssen raus!» Der grossartige Track ballert ordentlich aus den Boxen und holt dich mit erhobener Faust ab. «Stimme» überzeugt danach nicht nur mit einem unanständig eingängigen Refrain, sondern auch mit einem der besten Anti-Rechts-Texte seit langem, sowie einem überraschend brachialen C-Teil, der dir mal eben kurz den Kiefer runterhängen lässt. Ähnlich geht es im beinahe pop-rockigen «Schmutz», das erst mit lustigen Synthies aufwartet und dir dann auf einmal ein so fantastisches wie für Der ganze Rest seltenes Gitarrensolo um die Ohren haut. Grosses Kino!

Der ganze Rest lehnen sich musikalisch weiter aus dem Fenster denn je. Das Kafka’eske (die Band, nicht der mit dem Käfer) «Kaltland» überrascht mit dichtem Sprechgesang und das fantastische «Subreal» nickt gar kurz in Richtung Fjørt. Letzteres ist auch eines der Stücke, bei dem die wundervoll raue Stimme von Sänger Martin richtig krass zur Geltung kommt. Beachtlich, wie er hier zwischen gefühlvoller Melodie und brachialen Schreien hin und her wechselt. «Untergang» ist, ganz dem Namen entsprechend, ein rasantes Brett, das alles niederwalzt und coole Rock’n’Roll-Riffs mit unbändiger Hardcore-Energie vermischt, und «Unter der Erde» kombiniert Farin-Urlaub-Ska mit Panflöten und witzigem Text. Richtig geil, in wie viele Richtungen sich das Quartett austobt und dabei immer ganz nach sich selbst klingt.

Inhaltlich widmet sich die Platte dieses Mal den grossen zwischenmenschlichen Fragen. Themen wie Liebe, Glaube, Aktivismus, Mental Health, Angst und Politik werden mal direkt, mal humoristisch angegangen und malen ein stimmiges Bild. Gerade im zweiten Teil der Platte stehen ein paar ruhigere Tracks wie «Geister» und «Für immer», die Der ganze Rest in einem gefühlvolleren, intimen Licht zeigen. Zum Schluss geht’s dann aber nochmals so richtig ab: «Versager der Stadt» ballert mächtig aus den Boxen, bevor das grossartige «Phosphor» mit fulminanten Geigen, verzweifelten Schreien und einem absolut epischen Ende alles in Grund und Boden rockt und gleichzeitig mit dem feurigen Text den Bogen zum Vorgängeralbum „Incendium“ schlägt. Meisterhaft.

Okay, es folgt dann noch «Goldfisch», aber dazu will ich nichts verraten. Ein solch musikalisches Meisterwerk gelingt einer Band wahrscheinlich nur einmal in der Karriere, darum keine Spoilers dazu. «Hübsch» ist ein grossartiges Album einer verdammt starken Band, die viel zu sagen hat. Die abwechslungsreichen Songs, die lodernde Energie, die starken Texte und die klare Kante regen zum Nachdenken an, machen aber auch tierisch Spass – genauso, wie guter Punkrock 2025 zu sein hat. Hut ab, Der ganze Rest, und danke, zeigt uns einmal mehr, was Sache ist.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Der ganze Rest, Hübsch, Punk

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