
Exil – Zürich
Sonntag, 14. Juni 2026
Text: Patricia Taubert
Die Vorfreude war schon lange gross auf den Tag, an dem ich Yonaka endlich wieder vor mir auf der Bühne stehen sehen würde. Acht Jahre ist es her, dass ich sie als Support von Bring Me The Horizon entdeckte und vom ersten Moment an gefesselt war. Um nicht zu viel vorwegzunehmen: Diesen Abend werde ich noch lange in meinem kleinen Millennial-Herzen herumtragen.
Los ging es mit Artio und vollem Körpereinsatz. Frontfrau Rae Brazill sagte an – und das Publikum folgte. Die Menge musste näher zusammenrücken, heftiges Kopfnicken wurde konsequent eingefordert. Der Mix aus Alternative Rock, Electro und Nu-Metal liess allerdings auch nichts anderes zu. Mit eigenwilliger Energie sprang Rae Brazill mit ihrer roten Mähne zu den treibenden Drums über die Bühne. Von mir aus hätte sie das länger als nur während sechs Songs machen können.

Mit leichtem Verzug folgten als zweiter Support-Act Overgrown. Schon zum Intro rieb ich mir erschrocken die Augen, um mich zu vergewissern, dass dort nicht Limp Bizkit auf der Bühne standen, gewürzt mit einer Prise Deftones. Was verdammt vertraut klang, entwickelte sich für mich zur Entdeckung des Abends. Treffenderweise hiess einer der zum bestengegebenen Songs der schottischen Gruppe dann auch noch «Breathe», denn gelegentlich musste ich nach Luft schnappen, weil mich die Begeisterung überkam. Die Kombi aus Nu-Metal und Grunge hat mich sowas von abgeholt, bitte mehr vom Sound der 2000er! Pluspunkte gibt’s von mir für die handgeschriebene Setlist.

Zweimal geblinzelt, und dann standen auch schon Yonaka auf der Bühne. Das Trio, bestehend aus Frontfrau Theresa Jarvis, Alex Crosby am Bass und George Werbrouck-Edwards an der Gitarre, strahlte aus, was es vom Publikum gleichermassen zurückbekam: Für einen Sonntagabend (in Zürich) erstaunlich viel Energie und Leidenschaft. Nach drei Jahren melden sich die Briten aus Brighton mit dem Album «Until You’re Satisfied» zurück. Auch wenn sie bereits im Line-up von Rock am Ring zu finden waren oder mit Bring Me The Horizon die grossen Hallen bespielten, war dies ihre erste Headlinershow in Zürich.

Der kleine Saal wurde im Laufe des Abends zunehmend zur rotierenden Menschentraube. Logisch, wenn man bedenkt, dass Yonaka mit Songs wie «Eat You Alive» und «Ordinary» schon zu Beginn viel Geschwindigkeit und Drama vorlegten. Theresa liess es sich nicht nehmen, sich die Fanbase mal aus nächster Nähe anzuschauen und sprang der einen oder anderen Person begeistert mit dem Mikrofon in der Hand entgegen. Mein Salz in der Suppe: Der begeisterte Fan in der ersten Reihe, der sich mit seiner Textsicherheit und dem strahlenden Gesicht über den gesamten Abend hinweg schmunzelnde Blicke von Theresa einheimste.

Offensichtlich habe ich mich an dieser Stelle längst selbst als absoluter Fan der Millennial-Rock-Gruppe geoutet. Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem sei gesagt, dass es längst nicht bei diesem einen Genre bleibt. Yonaka vereinen auf einzigartige Weise auch Elemente des Pop, Hip-Hop und Punk miteinander. Kein Song gleicht dem anderen. Während mir bei «Problems» der Gehörschutz fast aus den Ohren schoss, nahm ich ihn zu den wunderbaren Akustik-Versionen freiwillig heraus. Wo in der einen Sekunde noch der Drummer auf sein eigenes Set stieg, um die Stimmung anzukurbeln, war es im nächsten Moment mucksmäuschenstill und die Handy-Taschenlampen wurden gezückt. Das Themenrepertoire erstreckte sich dabei vom gebrüllten Wutablass «get the fuck out my face» in «Clique» bis zum Appell an die mentale Gesundheit in «Call Me A Saint». Und eben diese Mischung macht es für mich aus.
2018 spielten Yonaka bereits vor Tausenden von Menschen, doch die lauschige Atmosphäre des Exil war genau das, was es für mich am Ende zum einzigartigen Erlebnis gemacht hat. Die Crowd zog bis zum Schluss durch, sodass wir sogar mit einem ausnahmsweise zweiteiligen Encore belohnt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass das «see you soon» bei der Verabschiedung wörtlich zu nehmen ist.
Setlist
1. Eat You Alive
2. Hit Me When I’m Sore
3. Miss Millennial
4. Call Me A Saint
5. Problems
6. Cruel
7. Ordinary
8. At The Beach
9. Trouble Follows
10. Stay A Little While Longer
11. Try
12. Do It For You (Acoustic)
13. Creature (Acoustic)
14. Punchbag
15. Bite The Bullet
16. Clique
17. Predator
18. Seize The Power
Encore
19. Hands Off My Money
20. Rockstar

