
www.yeahfest.ch
NOFNOG + RATC + Lucifer Giant + Flo LeBeau + No Mute + Swissfits + Weak Tyrant + Möped Lads uvm.
Diverse Orte – Bern
Samstag, 20. September 2025
Text: David Spring / Bilder: Alain Schenk
Wer aus irgendeinem Grund noch immer nicht Bescheid wusste, wie grossartig unsere heimische Punkszene ist, kam spätestens vergangenen Samstag in Bern so richtig zur Welt! Da nämlich stieg an diesem letzten warmen Tag des Jahres das allererste Yeah-Fest! Fünf Venues, über 30 Bands und Solo-Künstler:innen – weitestgehend aus der Schweiz – und ein wunderbar bunter Haufen frohgemuter Menschen, die feierten, als gäbe es kein Morgen! Was für ein glorreiches Fest!
Schon beim Ankommen auf dem Gelände der Reitschule war spürbar, dass hier etwas ganz Besonderes in der Luft lag. Die Konzerte, die bereits um 14:00 Uhr mit den grossartigen Überyou begannen und somit augenblicklich für feuchtfröhliche Stimmung sorgten, teilten sich zwischen dem Rössli, der Cafete, dem ISC, dem SoSo Space, dem In Transformation und der Sommerbühne auf der Schützenmatte auf. Entsprechend herrschte von Beginn an ein ständiges Kommen und Gehen. Überall traf man bekannte Gesichter, alte Freunde und wilde Gestalten. Von jungen Kids bis zu alten Hasen der Szene war alles vertreten. Wer schon mal in Zürich am legendären Obenuse-Festival war, kennt das dezentrale Konzept bereits. Am Yeah-Fest war alles noch etwas kleiner und lokaler, was zusammen mit dem gut etablierten Awareness-Konzept der Reitschule sowie dem leckeren Essensangebot im Sous-Sol für eine wundervoll entspannte und sichere Atmosphäre sorgte. Man hatte trotz dem extrem vollgepackten Programm nie das Gefühl, sich stressen zu müssen. Vielmehr war es möglich, mit einem Getränk in der Hand von Venue zu Venue zu schlendern, hier kurz reinzuschauen, da etwas länger zu verweilen oder auch mal einfach draussen die Stimmung zu geniessen.
Die verschiedenen Locations gaben dem Festival eine ganz eigene Dynamik. Das allseits beliebte Rössli und der altehrwürdige ISC Club boten den besten Sound und die professionellsten Shows, während der SoSo Space mit punkiger Pub-Atmosphäre überzeugte, die Cafete für die experimentelleren und etwas düstereren Acts genau das richtige Pflaster war und das winzige In Transformation zu einer regelrechten Sauna wurde, in welcher der Schweiss von der Decke tropfte. Glorreich und wirklich die besten Venues für ein solches Festival. Etwas frische Luft und ruhigere Klänge gab es draussen auf der Sommerbühne. Diese war für die grossartigen Singer/Songwriter und Akustik-Acts wie Sarah Courage, Flo LeBeau, Hugs & Stitches oder Matt Deecrack reserviert. Dieser Quell der Ruhe war oftmals genau das, was das Yeah-Fest zusammenschweisste und die perfekte Balance zur Non-Stop-Punkrock-Action der restlichen Bühnen
Musikalisch zeigte das Yeah-Fest eindrucksvoll, wie breit die Szene aufgestellt ist. Ob Vollgas-Punk mit den DeeCracks, lärmiger Stoner Metal von No Mute, exzellenter Pop-Punk mit Lone Wolf, rasanter Post-Punk von Bleakness oder unaufhaltbarer Melodic Hardcore made in Switzerland von NOFNOG. Ob Brass-Rock’n’Roll von Queens Of Everything, eingängiger Emo von Athlete, Westschweizer Charme-Punk von Après La Chute, psychedelische Heavyness mit Lucifer Giant oder unbändige Energie mit Fire Cult. Ob unkaputtbarer US-Punk mit Grannysmith oder legendärer Garagen-Lärm mit den Möped Lads. Ob queer-feministische Punkrockfreuden mit Tampons oder brachial-nihilistischer Krach mitten ins Herz von Teenage Bubblegums. Ob emotional und laut wie bei Weak Tyrant, ob schweisstreibend und spassig wie bei The Meseeks oder cool und durchschlagend wie bei The High Times. Es war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei – ob gross oder klein, Nord, Süd, Ost oder West, ob leise oder laut. Die ganze Bandbreite der Welt des Punks war am Yeah-Fest.
Das Schöne am Yeah-Fest war nicht nur die musikalische Abwechslung, sondern auch die Art und Weise, wie man sich treiben lassen konnte. Die kurzen Sets und die zwangsläufigen Überschneidungen machten es leicht, überall ein bisschen reinzuschauen. So ergab sich ein endloser Reigen an Entdeckungen, spontanen Begegnungen und kleinen magischen Momenten. Natürlich bedeutete das auch, dass man einiges verpasste, aber genau das machte den Reiz aus. Statt einem starren Pflichtprogramm blieb stets Raum für Spontanität.
Am Ende des Abends blieb ein Gefühl von Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Organisator:innen, die es geschafft haben, eine so liebevoll kuratierte Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Dankbarkeit für die Bands, die von nah und fern anreisten, um diesen Tag zu einem Fest zu machen. Und Dankbarkeit für die Szene, die einmal mehr bewiesen hat, wie lebendig, vielfältig und solidarisch sie ist. Das Yeah-Fest hat nicht nur Premiere gefeiert, sondern sich schon im ersten Jahr unverzichtbar gemacht. Zur nächsten Ausgabe ist noch nichts bekannt, aber ich hoffe inständig, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt. Das Yeah-Fest: Es war nicht nur irgendein weiteres Fest, nein, es war das beste verdammte Fest seit langem! Oder um die Worte der Beatles zu kapern: We love you, yeah yeah yeah!









































