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Spidergawd im Gaswerk

25/04/26
von Roger Strebel

Spidergawd im Gaswerk

Spidergawd + Håndgemeng

Gaswerk – Winterthur
Dienstag, 21. April 2026

Text: Roger Strebel

Der Konzertabend am vergangenen Dienstag im Gaswerk Winterthur katapultierte mich regelrecht zurück in meine frühen 20er, als ich auf meinem klapprigen Lenco Plattenspieler die neusten Scheiben von Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Motörhead oder Saxon kreisen liess. Die Nadel wuchtete sich wie ein Pflug durch die Rille, und die Soundqualität war im besten Fall miserabel. Egal, denn Hauptsache laut. The New Wave of British Heavy Metal, so die Bezeichnung des Genre, zeichnet(e) sich aber nicht nur durch grossartige Bands aus, sondern besticht auch durch eine beachtliche Halbwertszeit, denn einige der genannten Bands sind bis heute aktiv, sogar mit neuen Alben. Und das Genre ist ganz offensichtlich nach wie vor Inspirationsquelle für jüngere Bands. Zugegeben, Spidergawd als junge Band zu bezeichnen, ist reichlich gewagt, denn obwohl diese erst 2013 gegründet wurde, entstammt sie einem Nebenprojekt der phantastischen norwegischen (Psychedelic) Rockband Motorpsycho, die bald 40 Jahre auf dem Buckel hat. Jung trifft aber sicher auf Håndgemeng aus «den dunkeln Ecken» von Oslo, wie die Band selber sagt, zu, die den Sound auf ihrem neusten Werk «Satanic Panic Attack» nicht unbescheiden als New Wave of Norwegian Heavy Metal bezeichnen. Und mit dieser Attitüde und der Ansage «Hey Switzerland, we are Håndgenmeng from Norway and we play very hard», legten die fünf Jungs ab Sekunde eins los, als seien sie Backstage dem Leibhaftigen persönlich begegnet.

Håndgenmeng spielten aber nicht nur hart, sondern auch präzise und wechselten Tempi und Rhythmen spielend leicht. Zugegeben, die Band hat den Heavy Metal nicht neu erfunden. Kaum war ein Riff, das Motörhead nicht besser hätten spielen können, verklungen, kamen einen halben Song später Akkorde um die Ecke, die schwer an Mötley Crew erinnerten. Dennoch bleibt die Band eigenständig und strotzt(e) am Dienstagabend nur so vor Spielfreude, was sich sofort auf das muntere Publikum im Gaswerk übertrug. Wer bei seinem ersten Gig in der Schweiz überhaupt mit derart viel Verve und Ehrlichkeit auftritt, sich selber Namen gibt wie «Hellvis Presley» oder «Abuse Springsteen» und auf dem Cover des neuen Albums «Satanic Panic Attack» vom April 2025 (mehrere Songs des knapp halbstündigen Sets stammten daraus) nur mit Tatoos bekleidet auftritt, hat ziemlich viel richtig gemacht. Und hat vor allem eine grandiose Steilvorlage geliefert für Spidergawd.

Håndgemeng

Die Band aus Trondheim hat seit ihrer Gründung acht Alben veröffentlicht. Nach «Spidergawd» folgten «Spidergawd II» bis «…. VII». Das achte Album (das Coverartwork steuerte auch dieses Mal der französische Künstler Émile Morel bei), das die Band im September 2025 veröffentlichte, trägt den (überraschenden) Titel «From Eight to Infinity». Es gehen Gerüchte um, wonach Spidergawd damit ganz bewusst Diskussionen und Spekulationen um ihre Zukunft in die Welt setzen woll(te)n; «Se non è vero, è ben trovato». Mit Sicherheit kann man aber festhalten, dass sich das Quintett musikalisch treu geblieben ist, orientiert es sich doch nach wie vor am Hardrock der 1970er – Jahre und an der New Wave Of British Heavy Metal. Als Besonderheit von Spidergawd darf das von Rolf Snustad geradezu virtuell gespielte Bariton-Saxophon gezählt werden. Nach Einspielung der «Firebird Suite» von Igor Strawinsky eröffneten Spidergawd genau damit und dem grandiosen Openener des neuen Albums «The Grand Slam» ihr Konzert. Was sodann in den kommenden 90 Minuten folgen sollte, lässt sich schwierig in Worte fassen; ich versuche es trotzdem.

Spidergawd

Mit den 15 Songs ihrer Performance traten Spidergawd eine Reise durch die letzten vier Alben an und legten dabei eine Pace vor, die ihresgleichen sucht. Zumindest ich war beinahe schon etwas erleichtert, als die Band mit «Winter Song» (endlich; nach zehn Songs) einen Gang runter schaltete. Bis dahin ging die Band all in, sang das Gaswerk ein Happy Birthday mit Tram-Carouso Qualitäten zu Ehren von Kenneth Kapstad (Schlagzeug), den man hinter seinen Monster-Drums nur sehen konnte, wenn er aufstand, und lauschte schon fast ehrfürchtig den Entschuldigungen von Per Borten (Gesang, Gitarre) dafür, dass Spidergawd bei ihrem letzten Auftritt in der Schweiz nicht im Gaswerk Winterthur gespielt hätten; in Zukunft werde das nicht mehr vorkommen. Diese Liebeserklärung an Winterthur, die herzliche und gleichzeitig bescheidene Art des Auftretens, die umwerfende Spielfreude und natürlich das meisterliche Beherrschen der Instrumente verwandelten das Konzert von Spidergawd in einen Abend unter Freunden. Dieser endete (fast) genau so, wie er begonnen hatte: mit einem Saxophon-Intro und einer nicht mehr enden wollenden Gitarrenwand des Songs «All And Everything». Fürwahr: sie hatten alles und ich meine wirklich alles gegeben, die fünf Musiker aus Trondheim.

Spidergawd

Setlist [Quelle: Spidergawd]
1. The Grand Slam
2. Revolution
3. Is This Love..?
4. Narcissus‘ Eye
5. Afterburner
6. The Tower
7. Heaven Comes Tomorrow
8. 200 Miles High
9. The Hunter
10. Ritual Supernatural
11. Winter Song
12. The Ghost of Eirik Raude
13. Yours Truly
14. Your Heritage
15. All And Everything

Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Gaswerk, Håndgemeng, Hard Rock, Heavy Metal, Metal, Roger Strebel, Spidergawd, Winterthur

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