
Halle 622 – Zürich
Montag, 29. Juni 2026
Text: Madeleine Fuhrer / Bilder: Melissa Mangold
Ein warmer Sommerabend draussen, beste Bedingungen drinnen. In der Halle 622 in Zürich warteten zwei Bands, die seit Jahren zur Spitze des Punkrocks gehören. Den Auftakt machten die Donots aus Deutschland.
Nach einem kurzen Intro ging es direkt los, und die Band war sofort da. Die Donots wirkten vom ersten Moment an eingespielt und hatten sichtlich Freude daran, wieder auf einer Schweizer Bühne zu stehen. Diese Lockerheit übertrug sich sofort auf die Halle.
Musikalisch liessen sie nichts anbrennen. Druckvolle Gitarren, eingängige Refrains und eine Show, die ständig in Bewegung war. Sänger Ingo Knollmann war praktisch pausenlos unterwegs, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und hatte die Halle schnell auf seiner Seite. Zwischen den Songs blieb Platz für lockere Ansagen und den gewohnt sympathischen Humor der Band, bevor es gleich wieder mit Vollgas weiterging.
Die Setlist bot einen gelungenen Mix aus bekannten Klassikern und neuerem Material. Schnell wurde klar, weshalb die Donots seit Jahren zu den stärksten Livebands ihres Genres zählen. Alles wirkte ehrlich, unverkrampft und genau so, wie Punkrock auf einer Bühne funktionieren soll. Ein Auftakt, der die Stimmung früh auf Betriebstemperatur brachte und die Vorfreude auf Rise Against noch einmal steigerte.
Diese war der Halle 622 schon Minuten vor Showbeginn anzumerken, bis schliesslich das Licht ausging und Rise Against unter lautem Jubel die Bühne betraten. Viel brauchte es nicht. Kein grosses Intro, keine aufwendige Inszenierung. Mit dem Opener „Re-Education (Through Labor)“ war die Richtung für den Abend gesetzt.
Rise Against gehören zu den Bands, die sich ihre Live-Qualitäten über Jahrzehnte bewahrt haben. Nicht, weil sie jede Tour grösser oder spektakulärer machen, sondern weil sie konsequent das in den Mittelpunkt stellen, weshalb die Menschen gekommen sind, die Musik. Die Bühne blieb schlicht und klassisch aufgebaut, während die eindrucksvoll inszenierte Lichtshow den Songs den passenden Rahmen verlieh.
Von Beginn an entwickelte sich zwischen Band und Publikum eine Dynamik, die den ganzen Abend anhielt. Vor der Bühne wurde gesprungen, gesungen und gepogt, während selbst in den hinteren Reihen kaum jemand stillstand. Fast jede Zeile und jeder Refrain wurden lautstark mitgesungen.
Gerade Tim McIlrath zeigte einmal mehr, weshalb er seit Jahren zu den markantesten Frontmännern des Genres gehört. Seine Stimme besitzt noch immer dieses unverwechselbare Timbre, das Rise Against seit jeher prägt. Zwischen den Songs richtete er sich immer wieder ans Publikum. Nicht mit langen Ansprachen, sondern ehrlich, direkt und mit klaren Botschaften über Zusammenhalt, Mitgefühl und einen respektvollen Umgang miteinander. Themen, die seit jeher fest zur Identität der Band gehören.
Musikalisch präsentierte sich Rise Against in Bestform. Drummer Brandon Barnes trieb die Songs mit konstantem Druck nach vorne, Joe Principe legte mit seinem Bass das satte Fundament und war dabei mit seinem ansteckenden Lächeln ständig in Bewegung. Zach Blair setzte immer wieder kleine, virtuose Akzente an der Gitarre. Alles griff sauber ineinander. Nichts wirkte überladen oder künstlich. Gerade diese Geradlinigkeit machte den Auftritt so stark.
Mit „Give It All“, „Satellite“, „Ready To Fall“ oder „Prayer Of The Refugee“ folgte ein Höhepunkt dem nächsten. Songs, die seit Jahren zum festen Bestandteil ihrer Liveshows gehören und auch diesmal nichts von ihrer Wirkung verloren hatten. Gleichzeitig fanden sich immer wieder Stücke des aktuellen Albums „Ricochet“ in der Setlist. Sie reihten sich mühelos zwischen die Klassiker ein und bewiesen, dass auch das neue Material live bestens funktioniert.
Einer der emotionalsten Momente des Abends gehörte „Hero Of War“. Allein mit seiner Akustikgitarre stand Tim auf der Bühne. Plötzlich rückten die verzerrten Gitarren in den Hintergrund und Tausende Stimmen übernahmen grosse Teile des Songs. Generell trug das Publikum seinen Teil zur Energie in der Halle bei. Im Pit wurde ordentlich Bewegung gemacht, gleichzeitig achtete man aufeinander. Genau dieses Miteinander passt zu einer Band, deren Texte seit jeher von Solidarität, Hoffnung und Verantwortung handeln.
Als Rise Against mit „Savior“ den Schlusspunkt setzten, sang die Halle ein letztes Mal aus voller Kehle mit. Noch Minuten nach dem letzten Ton wollte der Applaus nicht abreissen.
Rise Against brauchen keine riesigen Videowände, keine Pyrotechnik und keine perfekt durchgeplanten Showeffekte. Sie verlassen sich auf starke Songs, ehrliche Botschaften und eine Bandchemie, die auch nach mehr als 25 Jahren unverändert funktioniert. Genau das machte diesen Abend in der Halle 622 so besonders.
















































