
Eulachhalle – Winterthur
Dienstag, 21. Oktober 2025
Text: Adrian Portmann
Warte mal – die gibt’s doch gar nicht mehr. Und wenn überhaupt, dann höchstens noch als DJ-Formation. Falsch! Was viele nicht mehr für möglich gehalten hatten, wurde in diesem Jahr Realität. Im Mai wurde verkündet, dass nach 15 Jahren mit «Inertia» endlich ein neues Album erscheinen soll und nicht nur das. Die legendäre Drum & Bass / Crossover Band Pendulum hat sich in voller Besetzung wiedervereint und tourt wieder live! Die Tour ist derzeit in vollem Gange und machte letzten Dienstag zur Freude vieler Fans auch einen fulminanten Halt in Winterthur.
Sei es inmitten der Menschenschlange vor den Eulachhallen, bei der Garderobe oder beim Warten auf den Supportact – bereits zu Beginn war an den unterschiedlichsten Dialekten und Sprachen zu erkennen, dass die Besucher aus allen Ecken angereist waren, um die Live-Show der Australier zu erleben. Als Erstes war jedoch das Duo Alt Blk Era an der Reihe, um das Publikum einzustimmen. Die beiden Schwestern aus Nottingham, gekleidet im Gothic-Stil, wurden dabei von zwei Gastmusikern begleitet. Musikalisch verband sich die Basis aus harten Electro- und Drum & Bass Beats mit aufrührerischem Gesang, sowie energiegeladenen Rock-Parts. Das Set, welches hauptsächlich Tracks aus dem Debütalbum «Rave Immortal» enthielt, kam beim Publikum gut an, auch wenn die Lautstärke im Allgemeinen kräftiger hätte sein können. Des Weiteren war das Bühnenlicht stellenweise zu hell, was die Atmosphäre etwas minderte. Der Motivation der Engländerinnen tat das jedoch keinen Abbruch. Besonders im Verlauf der letzten beiden Songs drehten sie nochmals auf und mittlerweile waren die Besucher immer mehr in Stimmung, um mitzumachen. Und so wurde beim abschliessenden «I’m Normally Like This» unter Anleitung der Sängerinnen lautstark mitgeschrien.
Kurz darauf war die Halle prall gefüllt und die Spannung auf den Main-Act war überall spürbar. Als sich das Licht dimmte und die vier Musiker die Bühne betraten, brach die Crowd in Begeisterung aus, was sogleich mit Tracks wie «Napalm» oder «Come Alive» beantwortet wurde. Wobei letzterer mit seinem aggressiven Anfangsbeat, dem Industrial ähnlichen Mittelteil und dem schwerlastigem Gitarrensound bereits früh die Stimmung intensivierte. Die Setlist folgte einem klaren Konzept – die neuen Stücke stehen offenbar im Zentrum. Natürlich durften die allseits bekannten Klassiker, die geschickt in das Set eingebunden wurden, nicht fehlen. «Blood Sugar» gemischt mit dem legendären Prodigy-Remix «Voodoo People», die zwei «The Island»-Parts oder «Witchcraft», um nur einige zu nennen. Alles wichtige war dabei. Dennoch war klar erkennbar, dass das neue Album natürlich vor allem produziert wurde, um live performt zu werden. Die einzelnen Musiker erzeugten mit ihrem Equipment einen kraftvollen, breit angelegten Sound und Rob Swires klare Stimme stach eindrucksvoll aus dem Klangbild hervor. Eine tolle Verschmelzung von hartem Rocksound und treibendem Drum & Bass, bei der der Bass garantiert nie zu kurz kam.
Ein Song, der in der Mitte der Show besonders hervorstach, war «Cannibal» – ein Stück welches so richtig einheizte und die Crowd zum Durchdrehen brachte. Begleitet wurde das wilde Treiben von einer Lichtshow, welche genau so energisch wie der Sound Richtung Publikum flackerte. Seitens Publikums wurde an diesem Abend ununterbrochen getanzt. Es spielte dabei keine Rolle, wo und wie – Hauptsache mit viel Leidenschaft! Die einen bewegten sich in den äusseren Rängen im zum aktuellen Rhythmus passenden DnB-Step, die anderen wiederum tobten sich mächtig im Zentrum im Moshpit aus, überall herrschte Bewegung und Müdigkeit war nie zu erkennen.
Nach mehr als einer Stunde und einer wohlverdienten Verschnaufpause war das Konzert am finalen Song angekommen – «Tarantula». Der im Reggae-Style beginnende Hit forderte noch einmal alles und je schneller der Beat wurde, desto heftiger bewegten wir uns. Nach einem letzten, von Gareth McGrillen angefeuerten Moshpit war die Sause schliesslich vorbei. Die komplett verschwitzte Menschenmasse verlies gut gelaunt und immer noch ein wenig aufgedreht die Halle.
Was für eine Show! Nun bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder so lange dauert, bis Pendulum in dieser Konstellation unterwegs sind – und erst recht nicht wieder fünfzehn Jahre bis zum nächsten Album.


