
Of Mice & Men + Ghøstkid + Gore.
Kofmehl – Solothurn
Samstag, 6. Dezember 2025
Text: Madeleine Fuhrer
Gore. eröffneten den Abend im Kofmehl mit Raum für ein langsames Ankommen. Der Einstieg, getragen fast nur von den Vocals, liess zunächst kaum erahnen, was folgen würde, zumindest für jene, die die Band noch nicht kannten. Gore. verbanden tiefe elektronische Strukturen, pulsierende Bässe und kantige Gitarren zu einem Klangbild, das sich nicht einschmeichelte, sondern unmittelbar präsent war, konsequent, direkt und ohne Ornament.
Im Mittelpunkt stand Frontfrau Haley Roughton, wirbelnd über die Bühne, animierend und zugleich auf ihre eigene Weise durchdringend in ihrer Ausstrahlung. Ihre Stimme wechselte zwischen klaren Linien, gebrochenen Nuancen und tiefen Growls, die sie stets präzise als Teil des Gesamtbildes und nie bloss zum Effekt einsetzte. Das Publikum begegnete dem Set mit aufmerksamem Zuhören und eher einem kollektiven Hineingleiten in die Welt dieser Band als impulsivem Ausbrechen. Die Musik baute eine dichte Atmosphäre auf, in der man sich verlieren konnte. Ein hervorragender Auftakt, so unspektakulär wie eindringlich. Gore. eröffneten den Abend, ohne zu dominieren, sondern indem sie uns erstmal erdeten und definierten.
Mit Ghøstkid kippte die Stimmung im Kofmehl schlagartig in eine wilde, farbige Welt zwischen Metalcore und Industrial Pop. Kaum hatte die Band die Bühne betreten, explodierte die Energie im Raum. Die Lichter zuckten, der Bass dröhnte tief unter die Haut und die Crowd verwandelte sich augenblicklich in ein pulsierendes, unruhiges Meer. Ghøstkid wussten, wie man Spannung aufbaut und sie im richtigen Moment loslässt. Losgetreten wurde alles mit dem Song „Supernova“, einem perfekten Einstieg.
Sushi dominierte die Bühne mit einer Intensität, die sofort übersprang. Seine Vocals wechselten mühelos zwischen melodischen Linien, aggressiven Shouts und verzerrtem Flüstern. Die Musik folgte diesen emotionalen Ausschlägen mit harten Breakdowns, dunklen Elektroschichten und hymnischen Refrains, die das Kofmehl in kollektive Bewegung setzten. Ghøstkid arbeiteten wie ein geschlossenes System aus Chaos und Präzision: eruptive Ausbrüche, hektische Bewegungen, dann wieder kurze, unheimlich stille Momente, bevor alles erneut explodierte. Sie verschmolzen Popmelodien, Metalcore-Brutalität und düstere Theatralik, sodass sich die Show eher wie eine Inszenierung als wie ein schlichtes Konzert anfühlte.
Besonders die hymnischen Refrains funktionierten im Kofmehl hervorragend. Die Fans reagierten mit Circle Pits, erhobenen Händen und einer spürbaren Begeisterung. Ghøstkid spielten ihre Stärken kompromisslos aus: starke Hooks, düstere Elektronik, rohe Emotion. Die Band zeigte eindrücklich, warum sie zu den spannendsten Acts der modernen Alternativszene gehören.
Als Of Mice & Men die Bühne betraten, veränderte sich die Atmosphäre im Kofmehl nochmals deutlich. Die Band aus Kalifornien trat mit einer Ruhe auf, die nur Gruppen an den Tag zu legen vermögen, die genau wissen, wer sie sind. Kein übertriebenes Drama, keine aufgesetzte Inszenierung, nur pure, geschärfte Energie. Mit dem ersten Riff wurde klar, warum ihr Status in der Metalcore-Szene seit Jahren unangefochten ist.
Der Sound war sofort massiv und zugleich fein strukturiert. Die Gitarren legten breite, detailreiche Klangflächen über den Raum, die Drums trieben mit klarer Präzision und der Bass gab dem Ganzen eine warme Tiefe. Besonders stark war das Zusammenspiel der Stimmen: Aaron Pauleys Wechsel zwischen wütenden Shouts und emotionalem Klargesang verlieh jedem Song eine persönliche Signatur. Live wirkte dieser Kontrast noch unmittelbarer als auf Platte und zeugte von einer ungeschönt ehrlichen, menschlichen Kraft.
Die Setlist führte durch mehrere Schaffensphasen der Band. Ältere, härtere Stücke trafen auf neuere, atmosphärisch dichte Kompositionen. Ruhige, beinahe fragile Momente gaben Raum zum Atmen, ohne den Fluss zu verlieren. Dann folgten plötzliche Ausbrüche, bei denen das ganze Kofmehl vibrierte. Die Crowd sang lautstark mit, schrie, sprang und wirkte dabei gleichzeitig verbunden und frei. Trotz brachialer Energie war gerade diese Wärme eine der grossen Stärken von Of Mice & Men.
Besonders beeindruckend waren jene Augenblicke, in denen die Band ihre dunklen, schweren Klanglandschaften mit einer tiefen Menschlichkeit verband. Keine Effekthascherei, kein unnötiges Spektakel. Alles auf das Wesentliche reduziert – auf Emotion, Klang und Interaktion. Of Mice & Men erinnerten mit ihrem Auftritt eindrucksvoll daran, wie viel Tiefe auch die härteste Musik verbergen kann, wenn sie mit Präzision, Erfahrung und Herz gespielt wird.
Dieser Abend würde uns noch lange nicht nur im Kopf nachhallen, sondern auch im Körper. Es fühlte sich an, als ob dieses Konzert im Kofmehl weit mehr war als nur ein weiterer Tourstopp, vielmehr war es ein musikalischer Schulterschluss zwischen Band und Publikum. Of Mice & Men bewiesen eindrücklich und voller Leidenschaft, warum sie seit Jahren zu den prägenden Kräften des Metalcores gehören. Schön, durften wir dabei sein!

