
KIFF – Aarau
Freitag, 17. April 2026
Text: Madeleine Fuhrer
Auf ging es in den Freitagabend im KIFF in Aarau mit der Berliner Band Vianova. Erfrischend und energiereich starteten sie ohne grosses Intro direkt in ihr Set. Das Grundgerüst ihrer Musik bewegte sich im Metalcore, bunt gespickt mit vielen verschiedenen Elementen aus Soul, Jazz, R&B und 80er-Jahre-Synthesizern. Wie ein frischer Wind fegten Vianova musikalisch durch den Saal und physisch über die Bühne. Auch das Publikum brauchte nicht lange, um diese Energie aufzunehmen und sich in die Klangwelt von Vianova hineinzugeben. Erste Moshpits bildeten sich schon früh, und die Reaktionen wurden mit jedem Song intensiver. Vianova hatten ein gutes Gespür für Spannungsbögen zwischen harten Parts und sehr ruhigen, zerbrechlichen Momenten – nicht nur instrumental, sondern auch stimmlich. Von tiefen Growls ging es in hohe Stimmlagen und wieder zurück.
Vianovas Präsenz auf der Bühne suchte immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum. Auch soundtechnisch kam im KIFF alles sauber rüber, nichts ging im Raum unter. Vianova hinterliessen einen starken Eindruck und legten die Messlatte für den restlichen Abend bereits ziemlich hoch. Zum Abschluss erwähnten sie noch, dass sie nur kurz am Merch sein würden und nicht viel dabei hatten, da sie direkt weiter zum nächsten Gig mussten. Witzig war der Moment später draussen vor dem KIFF, als Vianova mit ihrem Bus vorbeifuhren, kurz die Schiebetür öffneten und noch einmal winkend Tschüss sagten.
Auf den nächsten Act war ich sehr gespannt, genauso wie auf den Headliner. Beide hatte ich bis dahin noch nie live gesehen. Ich finde es immer interessant zu beobachten, wie Bands ihren Sound live umsetzen und wie sie insgesamt auf der Bühne wirken.
TSS übernahmen danach und brachten von Beginn an eine andere Stimmung ins KIFF. Schnell wurde klar, dass sie ihren Fokus stärker auf Atmosphäre und Kontraste legen. Der Sound war modern, stellenweise fast schon cineastisch. Ihre Musik liess sich als Mischung aus Emo, Metalcore, Alternative Rock, Synthwave und neueren Einflüssen wie Phonk und Neo-Metal beschreiben, was ihren Stil gut traf. Auch optisch traten TSS düsterer auf, unterstützt durch passende Lichtelemente. Neben der instrumentalen Vielfalt fiel besonders der Gesang auf. Sie nutzten nicht nur Growls, Screams und Cleans, sondern bauten auch Rap-Parts ein. Ruhigere Passagen wurden immer wieder von prägnanten Breakdowns abgelöst, wodurch die Songs konstant in Bewegung blieben.
Sprachlich wechselten TSS zwischen Englisch und Französisch, ihrer Muttersprache. Die Band spielte souverän und wirkte sehr fokussiert. Die Übergänge zwischen den Songs waren sauber gestaltet und gaben dem Set einen guten Flow. Das Publikum wurde zunehmend aktiver und ging im Verlauf des Sets immer stärker mit. TSS verstanden es gut, Spannung aufzubauen und über das ganze Set hinweg zu halten, ohne sich zu wiederholen. Dabei half auch die abwechslungsreiche Setlist, die verschiedene Facetten ihres Sounds zeigte.
Als Novelists schliesslich die Bühne betraten, war die Stimmung im KIFF bereits auf einem hohen Level und sie legten nochmals nach. Zum Einstieg gab es ein kurzes, lichtbetontes, schlichtes Intro, bevor Sängerin Camille Contreras mit „All For Nothing“ eröffnete. Ein starker Start, der ruhig begann und sich dann kraftvoll entfaltete. Von Anfang an zeigte sich die musikalische und stimmliche Stärke der französischen Metalcore Band. Das Publikum war sofort da. Die Mischung aus technischen Parts, melodischen Linien und harten Breakdowns funktionierte live hervorragend und liess die Songs noch intensiver rüber kommen. Camilles Stimme trug das gesamte Set mit ihrer Vielseitigkeit, während auch Screams und Growls kraftvoll zur Geltung kamen.
Durch die Abwechslung im Sound verging das Set wie im Flug. Es blieb konstant interessant und intensiv. Die Interaktion mit dem Publikum war präsent, aber nie aufgesetzt. Kurze Ansagen, ehrliche Dankbarkeit und gezielte Ansagen reichten aus, um das Publikum einzubinden. Circle Pits, Mitsingen und durchgehende Bewegung vor der Bühne liessen nicht lange auf sich warten.
Novelists zeigten eindrücklich, wie technische Präzision und emotionale Wirkung zusammenfinden können. Der positive Vibe zog sich durch das gesamte Set und machte es leicht, sich darin zu verlieren. In der Mitte gab es einen ruhigeren Moment, in dem die Gitarristen auf reduzierte Weise ihr Können zeigten und viel Gefühl einbrachten. Gegen Schluss forderte Camille zum Crowdsurfen auf, was sofort für neue Bewegung sorgte und die Security auf der Bühne ordentlich beschäftigte. Am Ende des Songs liess sie sich selbst vom Publikum tragen. Unter lautem Applaus verabschiedete sich die Band zunächst, wurde jedoch schnell für eine Zugabe zurück auf die Bühne geholt.
Am Ende blieb ein klarer Eindruck. Novelists lieferten eine starke, ehrliche Liveperformance, die genau das tat, was sie sollte, die Songs und Musik wirken lassen. Und wieder war ein Konzertabend vorbei, der musikalisch durchgehend überzeugte.

