
Lorna Shore + Whitechapel + Shadow Of Intent + Humanity’s Last Breath
The Hall – Dübendorf
Dienstag, 3. Februar 2026
Text: Madeleine Fuhrer / Bilder: Anna Wirz
Was für ein Szenetreffen sich an diesem Abend abzeichnete! Der musikalische Trend war klar: schwer, schwerer, am schwersten. Ein Growl-Spezialist nach dem anderen gab sich die Klinke in die Hand. Die Vielfalt an gutturalem Gesang faszinierte und zog das Publikum unweigerlich in ihren Bann. The Hall Dübendorf wurde an diesem Abend zum Brennpunkt moderner, extremer Metal-Kultur. Ein Line-up, das Deathcore in all seinen Facetten abbildete.
Den Anfang machte die schwedische Deathcore-Formation Humanity’s Last Breath. Und was für ein Auftakt das war. Dunkel, heavy und dennoch enorm atmosphärisch. Die tiefe Stimme legte sich wie ein Mantel über die Songs und unterstrich deren Stimmung. Die Bühnenshow blieb bewusst zurückhaltend und grösstenteils im Dunkeln gehalten. Der Sound war tief und massiv. Mit ihren Songstrukturen schufen Humanity’s Last Breath ein Soundwand mit gleichbleibender Spannung. Die Songs bauten sich langsam auf, um sich dann voll zu entfalten. Die Band spielte präzise und fokussiert, ohne unüberlegte Gesten. Es war kein klassischer Opener, sondern eine dichte, beinahe meditative Einstimmung auf das Kommende. Unterstrichen wurde dies von einer energiegeladenen Lichtshow, deren schnelle Wechsel das Geschehen intensivierten. Wer mit Stroboskoplicht und abrupten Lichtwechseln Mühe hatte, war an diesem Abend definitiv fehl am Platz – und das vom ersten Ton von Humanity’s Last Breath bis zum letzten von Lorna Shore.
Die Fortsetzung folgte mit der amerikanischen Death-Metal-Band Shadow Of Intent. Auch hier wurde die Schwere und Dunkelheit konsequent weitergeführt. Tiefe Lagen des gutturalen Gesangs standen erneut im Zentrum. Shadow Of Intent brachten jedoch eine melodischere, epischere Variante des Death Metals auf die Bühne. Ihr Sound war klar strukturiert, differenziert und dennoch pure Härte, die zudem regelmässig auf orchestrale Elemente traf. Die Band verstand es, ihre Songs interessant aufzubauen und Spannung gezielt zu lenken. Live entfalteten die Stücke eine enorme Wucht. Besonders auffällig war die technische Präzision, mit der alles umgesetzt wurde. Jeder Break sass, jede Rhythmus-Änderung wurde sauber ausgespielt. Shadow Of Intent bestätigten ihren Ruf als Bindeglied zwischen reiner Härte und epischer Klanglandschaft.
Danach folgte Whitechapel. Die Amerikaner präsentierten eine progressivere Ausprägung des Death Metals und experimentierten deutlich mehr mit Gesang und Ausdruck. Tiefe, schwere Passagen wechselten sich mit höheren, teils melodischen Parts ab. Auch hier überzeugte die Lichtshow durch ihre vielen, abwechselnden Details. Mit Whitechapel erreichte der Abend eine neue, andere Tiefe. Die Band verband ihre harten Deathcore-Wurzeln mit einer spürbar emotionalen Note. Der Sound war brachial, zugleich aber kontrolliert und greifbar. Besonders die Wechsel zwischen musikalischer Aggression und Melancholie hinterliessen bleibenden Eindruck. Whitechapel spielten routiniert und selbstbewusst, verzichteten auf spezielle Effekte und liessen ihre Songs für sich sprechen. Auch ihr Set wurde von einer kraftvollen, energiereichen Lichtshow getragen.
Dann wurde der Kabuki-Vorhang montiert und somit begann der Umbau für Lorna Shore. Ein spannungsaufbauendes Intro erfüllte den Raum, begleitet von einer entsprechenden Licht-Atmosphäre. Als der Vorhang fiel, offenbarte sich ein eindrucksvolles Bühnenbild: LED-Wände zeigten visuelle Inhalte, die jeweils perfekt zur Stimmung oder zum Titel der Songs passten. Die Lichtshow blieb schnell, aggressiv und intensiv. Hinzu kamen Pyroelemente und dichter Nebel. Vom ersten Ton an war klar, dass diese Band noch immer neue Deathcore-Massstäbe zu setzen vermag.
Der Drummer von Lorna Shore leistete Schwerstarbeit mit beeindruckender Beintechnik. Dem enormen Hype der letzten Jahre wurden Lorna Shore live absolut gerecht. Das Material entfaltete auf der Bühne eine noch intensivere und wuchtigere Wirkung als auf Platte. Die technische Präzision war faszinierend, die vielschichtigen orchestralen Parts kamen live hervorragend zur Geltung. Auch die visuelle Umsetzung der Songs blieb nachhaltig im Gedächtnis. Eindrücklich war ein Moment während des Songs „War Machine“: Eine Figur auf der Leinwand zielte mit einem Gewehr auf das Publikum und als der Schuss fiel, wurde dieser mit einem explodierenden Pyroeffekt sowie passendem Licht unterstrichen.
Die Setlist verband neue Stücke mit älterem Material. Die Songs des aktuellen Albums „I Feel The Everblack Festering Within Me“ entwickelten live eine noch tiefere Wirkung. Orchestrale Elemente legten sich wie ein dunkler Schleier über die hart komponierte Instrumentierung, während die Vocals permanent zwischen verschiedenen Intensitäten wechselten. Jeder Song wirkte wie ein eigenes Kapitel, getragen von technischer Perfektion und einer beinahe cineastischen Atmosphäre. Trotz der enormen Härte blieb Raum für Details, feine Melodien und dramatische Spannungsbögen.
Lorna Shore gelang es, Extreme und Emotion in einen stimmigen Einklang zu bringen. Die Performance war nicht nur laut und brutal, sondern auch tiefgehend und eindringlich. Frontmann Will Ramos kommunizierte merklich mehr mit dem Publikum als die Acts zuvor. Grosse Circle Pits entstanden regelmässig und wurden von der Bühne aus gezielt animiert. Besonders stach das aussergewöhnliche stimmliche Talent von Ramos hervor. Eine absolute Ausnahmestimme, die Klänge hervorbrachte, die teilweise nicht von dieser Welt schienen.
Zum Abschluss folgte die komplette Trilogie „Pain Remains I, II & III“ – eine meisterhafte Darbietung. Lorna Shore bewiesen an diesem Abend eindrucksvoll, warum sie zu den prägendsten Bands des modernen Deathcore zählen.



























































