
Komplex 457 – Zürich
Donnerstag, 28. Mai 2026
Text: Madeleine Fuhrer / Bilder: Berend Stettler
Was für ein wuchtiger Auftakt in den Abend durch die Schweizer von XOXO. Roh, kompromisslos und authentisch präsentierte sich das heimische Quintett von der ersten Minute an. Besonders Frontfrau Sina zog mit ihrer energiegeladenen Präsenz und ihren brachialen Vocals sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Unterstützt von ihrem Gesangskollegen und ihren Mitstreitern an Gitarre, Bass und Drums entstand ein Soundgewitter, das das Komplex 457 bereits früh zum Kochen brachte.
Mit ihrer charmanten wie gleichzeitig unnachgiebigen Attitüde lieferten XOXO ein Deathcore-Brett nach dem anderen. Wuchtige Riffs, donnernde Beats und gewaltigen Growls nahmen den Raum immer stärker ein. Dabei schien kein Zentimeter der Bühne ungenutzt zu bleiben. Ihren eigenen Stil bezeichnen XOXO als „8K Violence“, eine Anspielung auf die Postleitzahl ihrer Heimatstadt Zürich. Und genau so fühlte sich ihr Auftritt auch an, intensiv, unmittelbar und voller Energie.
Die Begeisterung war dabei auf und vor der Bühne gleichermassen spürbar. Die ersten Arme schnellten in die Höhe, die ersten Moshpits entstanden und die Nackenmuskulatur des Publikums wurde bereits ordentlich auf aufgewärmt. Das erste grosse musikalische Erdbeben des Abends war damit perfekt lanciert.
Nachdem Knocked Loose am Vorabend noch vor einer deutlich anderen Kulisse als Support von Metallica im Letzigrund gespielt hatten, stand heute ein komplett anderes Szenario bevor, eine Clubshow, jedoch vor dem eigenen Publikum. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie sich die Band im deutlich intimeren Rahmen des Komplex 457 entfalten würde. Und sie mischten diesen nicht weniger intensiv auf, im Gegenteil. Von der ersten Note an liessen Knocked Loose nichts anbrennen. Vielmehr brannten sie selbst für ihre Musik und ihren Sound.
Die Amerikaner setzten ein dezentes Intro und auf ein leuchtendes Kreuz als Backdrop. Unter diesem Strahlen und lautem Jubel betraten Knocked Loose die Bühne. Mit dem Opener „Blinding Faith“ schossen Knocked Loose direkt kraftvoll in ihr Set. Vom ersten Ton an entwickelte sich eine mitreissende Energie, die bis zum letzten Moment nicht mehr abriss.
Ihr explosives Gemisch aus Hardcore, Punk und Metalcore entfaltete eine enorme Wucht. Gleichzeitig überzeugte die Band mit einer bemerkenswerten Dynamik innerhalb ihrer Songs. Die Stücke bewegten sich nie einfach nur geradeaus, sondern überraschten immer wieder mit spannenden Wendungen, Tempowechseln und atmosphärischen Momenten. Sänger Bryan Garris und Gitarrist Isaac Hale forderten das Publikum unermüdlich zur Bewegung auf. Immer mehr, immer intensiver.
Der Bereich vor dem Mischpult verwandelte sich in einen einzigen, friedlichen Tumult. Wie Knocked Loose selbst mehrfach erwähnte, lieben sie das Chaos und genau dieses spiegelte sich auch im Publikum wider. Fäuste, erhobene Hörner, bangende Köpfe und unzählige Moshpits prägten das Bild. Wall of Deaths öffneten sich immer wieder neu und durchmischten die Menge kontinuierlich. Kaum jemand blieb länger an derselben Stelle stehen.
Natürlich durfte auch „Suffocate“ nicht fehlen, jener Song, der Knocked Loose endgültig auf ein neues Level katapultierte. Entsprechend euphorisch fielen die Reaktionen aus. Die Begeisterung im Raum nahm von Song zu Song weiter zu und blieb bis zuletzt ungebrochen.
Auch die visuelle Inszenierung passte hervorragend zum Sound der Band. Das eher düstere Lichtdesign arbeitete vorwiegend mit starken Akzenten aus dem Hintergrund und fügte sich perfekt in die intensive Atmosphäre ein. Während der Auftritt immer heisser wurde, stieg auch die Temperatur im Komplex 457 merklich an, passend zu der Energie, die auf und vor der Bühne herrschte.
Knocked Loose liessen an diesem Abend nichts liegen. Bis zum letzten Ton bewegte sich die Performance auf beeindruckend hohem Niveau. Mit „Everything Is Quiet Now“ fand das Set schliesslich seinen Abschluss. Das Publikum feierte die Band mit lautstarken Begeisterungsrufen, während eine letzte, den gesamten Innenraum umfassende Wall of Death den krönenden Schlusspunkt setzte. Tosender Applaus begleitete die letzten Takte und verabschiedete die Amerikaner von der Bühne.
Ein herausragender Auftritt von Knocked Loose und ein weiterer begeisternder Konzertabend im wunderbaren Komplex 457.
Hinweis: Leider hat ARTNOIR keine Freigabe der Bilder von Knocked Loose erhalten.






















