Hallenstadion – Zürich
Freitag, 21. März 2025
Text: Nathalie Senn / Bilder: Rey Schulthess
An einem frühlingshaften Freitag strömte das erwartungsvolle Publikum ins Hallenstadion, um ein aussergewöhnliches Konzerterlebnis zu geniessen. Vogelgezwitscher erfüllte die Halle, und dekorative Bäumchen auf den Tribünen verliehen der Szenerie eine atmosphärische Note.
Ursprünglich war Eivør als Support für Heilung angekündigt. Als dann eine andere blonde Sängerin die Bühne betrat, herrschte für einen Moment Verwirrung. Im bläulichen Licht erschien die norwegische Künstlerin Sylvaine, die mit einer glasklaren, beinahe überirdischen Stimme und dezenten Orgelklängen den bewegenden Song «Dagsens Auga Sloknar Ut» darbot, der 2024 als Single veröffentlicht wurde. Die 34-jährige Ausnahmekünstlerin, die bereits im Vorjahr als Support für Eivør auf Tour war und 2019 als erste Frau für den Spellenmannsprisen in der Kategorie «Bestes Metal-Album» nominiert wurde, erklärte, dass Eivør krankheitsbedingt ausfalle und sie spontan einspringe.
Mit «Mørklagt» wagte sie eine akustische Interpretation eines im Original metallastigen Songs – inklusive der markanten Growling-Parts. Diese ungewöhnliche Kombination funktionierte überraschend gut. Zum krönenden Abschluss präsentierte Sylvaine das traditionelle norwegische Volkslied «Eg Er Framand» a cappella, wobei ihre sirenenhafte Stimme gänzlich im Mittelpunkt stand.
Dann stieg die Spannung: Der Vorhang hob sich, und ein opulentes Bühnenbild offenbarte sich – ein an einen Dschungel erinnerndes Setting, untermalt von Vogelgezwitscher. Die Szenerie weckte freudige Erwartung im Publikum.
Heilung, eine Nordic-Ritual-Folk-Band mit Mitgliedern aus Dänemark, Deutschland und Norwegen, beschreibt ihre Musik als «amplified history from early medieval northern Europe» (verstärkte Geschichte aus dem frühmittelalterlichen Nordeuropa). Ihre Werke basieren auf Originalartefakten und überlieferten Texten aus der Eisen- und Wikingerzeit.
Die Bühne erwachte buchstäblich zum Leben: Zunächst wurde sie mit Rauch geschwängert, Federn wurden geschwenkt, Verse gemurmelt. Menschen traten hervor und stellten sich im Kreis auf. Die Opening Ceremony entführte das Publikum in eine archaische und längst vergangene Zeit. Plötzlich ertönten Horntöne, Trommelschläge und wildes Geschrei, als der Song «In Maidjan» mit voller Inbrunst dargeboten wurde. Die altertümlichen, kunstvollen Kostüme verstärkten den Eindruck einer vollkommen anderen Welt.
Mit «Norupo» folgte ein hypnotisches, von Trommeln getragenes Stück mit mehrstimmigem Gesang. Die Halle leuchtete in grellem Licht auf und die charakteristische Stimme von Maria Franz kam eindrucksvoll zur Geltung. Besonders mit «Alfadhirhaiti», einem kriegerischen Stück, wurde das Publikum durch Begrüssungen mit Trinkhörnern, kehlige Gesänge und animalische Laute in den Bann gezogen. Jedes Stück war einzigartig und fügte sich doch nahtlos in das Gesamtbild – ein Gesamtkunstwerk, das wie ein Musical über die Eisen- und Wikingerzeit wirkte, visuell und musikalisch intensiv.
Abgeschlossen wurde das Konzerterlebnis mit einer Closing Ceremony, die das faszinierte Publikum sanft zurück in die Gegenwart entliess.