Das Zelt – Zofingen
Sonntag, 17. Mai 2026
Text: David Spring
Metalheads sind eher als Freund:innen der Nacht bekannt. Im Dunkeln kommen die harten Riffs am besten zur Geltung. Trifft man dann plötzlich schon um 12:30 Uhr auf all jene dunklen Gestalten, widerspricht das eigentlich sämtlichen Naturgesetzen der Szene. Zumal die Menschen auch noch bestens gelaunt und aufgeregt scheinen. Doch keine Sorge, wir sind noch nicht in einer KI-gesteuerten, höllisch alternativen Zukunft gelandet. Nein, es ist zum Glück einfach Heavysaurus! Deren Stammpublikum trinkt halt lieber Capri-Sonne als Bier, hat unerschöpfliche Energie und entsprechend auch die Tendenz, nicht erst abends in die Gänge zu kommen. Darum heisst es nun: Pommesgabeln in die Luft, Kaugummi in den Mund und rein in den wohl sanftesten und zugleich ohrenbetäubendsten Pit aller Zeiten.
Mr. Heavysaurus, Milli Pilli, Riffi Raffi, Komppi Momppi und Muffi Puffi spielten an diesem schönen Sonntag-Nachmittag in Das Zelt in Zofingen und ja, die Dinos machen keine halben Sachen! Mit ihrem neuen, unmissverständlich betitelten Album «Metal» im Gepäck ging es mit dem rasanten «Metal um die Welt» gleich in die Vollen. Schnell, energiegeladen und mit ordentlich Wumms, aber natürlich in altersgerechter Lautstärke. Das Publikum war herrlich anzusehen: fast ausschliesslich Kinder, manche völlig ausgelassen am Tanzen und Mitspringen, andere eher ehrfürchtig mit offenem Mund und grossen Augen. Dahinter ganz viele stolze Eltern, die ihren Nachwuchs beim Moshen beobachteten. Besonders schön war dabei der Blick auf meinen fünfjährigen Neffen, der mich zusammen mit seinem in Sachen Heavysaurus weitestgehend uneingeweihten Papa begleitete und das Treiben begeistert, aber lieber noch aus sicherer Distanz bestaunte. Gold wert und genug, um selbst das dunkelste Metalherz zu erwärmen.
Heavysaurus haben unverschämt viele Hits, wobei einer der grössten gleich schon früh im Set stand: «Kaugummi ist mega». Die Band bewies von Beginn an ein hervorragendes Gespür dafür, wie man Kinder und Erwachsene gleichzeitig unterhält. Die manchmal ordentlich ironischen Ansagen waren herrlich witzig, etwa wenn Mr. Heavysaurus demonstrierte, wie seine Stimme dank magischem Mikrofon selbst dann erklang, wenn er es gar nicht vor den Mund hielt. Fantastisch! Die Wortgefechte mit Bass-Stego Muffi Puffi waren ebenso glorreich, doch im Zentrum stehen schlussendlich vor allem die tollen Botschaften. Ein besonders schönes Beispiel dafür war «Stark wie ein Tiger», die kindgerechte Version von «Eye Of The Tiger», inklusive toller Ansage gegen Mobbing und für mehr Zivilcourage.
Musikalisch darf übrigens durchaus erwähnt sein, dass Heavysaurus ihrem Namen mehr als gerecht werden. Manche Riffs hätten mit ein paar harschen Vocals problemlos auch auf einer modernen Metalcore-Platte funktioniert. Genau das macht den Reiz dieser Band aus. Den Kids wird eben nicht nur weichgespülte Wischiwaschi-Musik serviert, sondern ein richtig cooler Einstieg in die Welt des Metals. Besonders die wilden Gitarrensolos von Riffi Raffi liessen dabei den einen oder anderen Kiefer auf den Boden klappen, ob alt oder jung. Das inhaltlich zwar eher alberne «Unkka Dunkka», bei dem Keyboarderin Milli Pilli den Gesang übernahm, wurde etwa von einem richtig krassen Prog-Metal-Brett begleitet. Und als bei der einzigen Ballade des Sets, «Wenn der Mond erwacht», plötzlich das ganze Zelt voller Handylichter erleuchtete, fühlte man sich kurz wie an einer epischen Stadion-Show.

Neben der Musik lag der Fokus natürlich auch stark auf der Unterhaltung. Sehr spassig war die Abstimmung über den nächsten Song, als wir aus drei Songs auswählen durften, die allesamt mit L beginnen: Lulu mein Hund», «Laserninja» und «fLugsaurier» [sic!]. Der ohrenbetäubende Jubel für zweiteren liess dabei keinerlei Zweifel offen. Zum Heavysaurus-Disstrack schlechthin, «Wie kann man nur so stinken», wurde uns ausserdem SpongeBob Schwammkopf als grossen Gast angekündigt. Leider ging aber nur dessen bester Freund Patrick ans Telefon, da der grosse Star gerade in der Massage verweilte. Vorzüglich! Immer wieder wurden die kleinen Nachwuchs-Rocker:innen auch liebevoll in die Welt des Metals eingeführt, etwa mit dem unsterblichen «Pommesgabel», bei dem hunderte kleine Kinderhände ebenso enthusiastisch in die Luft schnellten, als stünden wir alle mitten in Wacken.
Die ganze Show dauerte beachtliche anderthalb Stunden, die wie im Flug vergingen. Als erste Zugabe wurden die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt, wobei Komppi Momppis Schlagzeugsolo natürlich besonders viele Kinderaugen leuchten liess. Danach folgte mit «Dino Metalheads» der vielleicht wichtigste Song des Nachmittags. Die fantastische Ansage dazu machte endgültig klar, dass die Band weit mehr als nur ein lustiges Gimmick ist: «Wir sind alle eine Familie, die Metal-Community! Egal ob du schwarz oder weiss oder grün bist, egal ob du gross oder klein bist, laut oder leise, ob du ein Handicap hast oder ob du Mädchen, Junge oder sonst jemand bist. Wir schauen zueinander und passen aufeinander auf!»
Da kann man sich eigentlich nur verneigen. Danke, Heavysaurus, für diese wundervollen Worte an unsere Kleinen! Danke, bringt ihr unseren Kids Abend für Abend die Welt des Metals auf dermassen authentische, amüsante und schlussendlich vor allem wertvolle Art näher. Jede Kinderhand, die nach einer solchen Show den Weg an eine Gitarre, einen Bass oder ein Drumkit findet, ist ein riesiger Gewinn. Und eigentlich sogar noch wichtiger als das eigens von Mr. Heavysaurus formulierte Ziel, nämlich zu verhindern, dass unsere Kids einmal Helene-Fischer-Fans werden, auch wenn man dagegen natürlich herzlich wenig einwenden kann. So oder so: Heavysaurus sind ein Riesenspass für Jung und Alt, eine ernstzunehmende Metal-Band und genau das, was die Jugend braucht. Dino-Metal für die ganze Familie, was gibt es denn Besseres?

Heavysaurus