
Insanity61 + Vale Tudo + A Small District + XOXO + Must Be Wrong + Billy Alibi
Schüür – Luzern
Samstag, 27. Dezember 2025
Text: Adrian Portmann / Bilder: Gorka Photography
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, im Foyer ist ein riesiger Merch-Bazar aufgebaut, überall tummeln sich feierwütige Hardcore-Fans voller Tatendrang, der Grillstand im Garten läuft auf vollen Touren und in der ausverkauften Schüür dröhnen über mehrere Stunden harte Klänge umher – das kann nur eines bedeuten: Das Hardcore United Fest ist wieder da!
Als letzten Samstag Billy Alibi die Bühne betraten, war der Schüür-Saal bereits sehr gut gefüllt. Mehr als 200 Besucher zeigten auf wundervolle Weise, dass grosses Interesse an allen Bands des abwechslungsreichen Lineups bestand. Natürlich hat jede:r persönliche Favoriten, welche das Adrenalin jeweils in die Höhe treiben, doch vielen geht es vor allem um das Gesamterlebnis dieses Events. Die fünfköpfige Surseer Band bewies mit ihrem Punk-Sound, dass es sich definitiv lohnt, von Anfang an dabei zu sein. Den Grossteil ihres Sets bildeten Stücke ihrer ersten Platte «Humans», ergänzt durch neue Songs wie «Our Show» und insbesondere «Stand Up», der sein Live-Debüt feierte.
Im ähnlichen Style ging es mit dem Trio von Must Be Wrong weiter, das die zuvor entstandene Energie der Crowd nahtlos aufgriff und weiter steigerte. Während es bisher noch etwas ruhiger zuging, starteten in den vorderen Reihen nun die ersten Circle Pits und nach den Aufrufen von Sänger Dario Füchslin begannen auch die ersten Besucher über die Crowd zu surfen. Ihr schneller Skate-Punk-Sound hatte eine enorme Zugkraft und versetzte uns zurück in die 90er-Jahre. Gegen Ende des Sets kamen wir zudem in den Genuss eines NOFX-Covers, das noch einmal zusätzliche Energie freisetzte. Sichtlich dankbar verabschiedete sich das Trio unter lautem Applaus.
Die 12. Ausgabe des HCUF war in drei Akte gegliedert. Nach dem punklastigen Auftakt startete mit XOXO die nächste Phase, in der 8K-Violence die Bühne dominierte. Ab der ersten Sekunde befanden wir uns in einem Wirbelsturm aus Breakdowns, Riffs und Growls. Mit ihrem selbsternannten Genre, das Elemente aus Hardcore, Metalcore und Deathcore verbindet, machte die Band mächtig Eindruck und schmetterte eine Donnersalve nach der anderen Richtung Crowd. Brutal, direkt und unglaublich fesselnd, wobei sich die auf der Bühne entfachte Energie im Publikum widerspiegelte.
Mit unzähligen Breakdowns ging es auch bei A Small District weiter. Angeführt von der kraftvollen, bis in die hintersten Reihen reichenden Stimme von Björn Krebs präsentierte die Band Nu-Metal, kombiniert mit unterschiedlichen aufrührerischen Electro-Beats. Der daraus entstandene Sound überzeugte auf ganzer Linie und brachte zahlreiche Köpfe und Beine in Bewegung.
In den Verschnaufpausen herrschte ein buntes Treiben. Es wurde geplaudert, getrunken und gegessen, um sich wieder für die schweisstreibenden Shows zu stärken. Über den ganzen Abend hinweg herrschte eine sehr inklusive Atmosphäre, in der niemand das Gefühl haben musste, nicht dazuzugehören. Ob Vollblutfan, Neuling oder einfach Neugierige, die etwas Neues entdecken wollten, Jeansjacke voller Patches oder weisser Pullover: Scheissegal, hier sind alle herzlich willkommen und alle werden so akzeptiert, wie sie sind!
Im dritten Akt des Abends ging es, ganz dem Eventnamen entsprechend, zurück zum «klassischen» Hardcore. Und wer wäre dafür geeigneter als das Zürcher HC-Urgestein Vale Tudo? Die Band, welche nächstes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, sorgte für mächtig Stimmung und bereitete die Menge perfekt auf den Headliner vor. Wie schon bei ihrem letzten HCUF-Auftritt zeigten sie eindrucksvoll, welche Power ihre Shows entfalten können. Die beiden Sänger wechselten sich gekonnt ab, feuerten ihre Shouts in die Menge und orchestrierten ohne Mühe unzählige Moshpits. Das Set endete schlussendlich mit dem allseits bekannten Hit «Hardcore Heavyweights».
Eine letzte Pause, ein letztes Mal tief durchatmen, vielleicht noch eine kurze kulinarische Stärkung mit der Raclette-Wurst-Kombi – denn gleich geht’s los mit dem finalen Höhepunkt des Events. In diesem Jahr hatten Insanity61 für ihre Show etwas ganz Besonderes im Gepäck. Als sich die Lichter des Konzertsaals dimmten und der riesige Banner auf der Bühne erstrahlte, ertönten nicht etwa Gitarrenklänge oder Drumbeats. Stattdessen nahm uns Pianistin Jenny Kaufmann mit ihrem Keyboard auf eine instrumentale Reise durch die grössten Hits von Insanity61 mit. Das wunderschöne Medley liess den Saal verstummen und doch nicht ganz still werden: Immer wieder wurde bei einzelnen, besonders bekannten Songpassagen leise mitgesungen bzw. mitgejohlt.
Dieser epische Moment endete mit «With My Friends». Als die letzten Klänge verklungen waren, fiel der Banner und die Originalversion des Songs wurde voller Wucht abgeliefert. Der Pit war entfacht und der Saal verwandelte sich innert Kürze in eine Sauna. Es folgte eine ausgewogene Mischung aus alten Klassikern wie «All I Need» und «Fight» sowie neuen Stücken wie «Step Back» und «Rollin’ On». Nach einer klaren Ansprache gegen Faschismus folgte gegen Mitte des Sets mit «Death To Fascism» einer der neusten Songs der Entlebucher, welcher das Treiben noch intensiver machte.

Eine Stunde lang spielten Insanity61 voller Emotionen und Tatendrang und die Crowd stand dem in nichts nach: schweissnass, aber unermüdlich. Zum krönenden Abschluss folgte schliesslich noch der unter eingefleischten Fans als Evergreen geltende Track «No Limit».
Nach diesem Abriss ging es im Foyer direkt mit den Tunes von DJ Bule weiter, wo bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert wurde. Der Termin für das nächste HCUF steht bereits fest: 26.12.2026. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was es bei der nächsten Ausgabe wieder zu erleben gibt.

