
Hallenstadion – Zürich
Samstag, 15. November 2025
Text: Adrian Portmann
Hans Zimmer, einer der berühmtesten Filmkomponisten der Welt, ist wieder live unterwegs. Mit „The Next Level“ präsentierte er am vergangenen Wochenende im Zürcher Hallenstadion gemeinsam mit seiner Entourage seine legendären Soundtracks in neuem Kleid.
Der Abend stand klar unter dem Motto: weniger Orchester, mehr Band-Charakter! Statt eines klassischen Studio- bzw. Symphonieorchesters versammelte sich auf der Bühne eine gewaltige Formation von mehreren Dutzend Musikerinnen und Musikern, verteilt auf vier Ebenen. Ganz unten dominierten Gitarre, Bass und Saiteninstrumente, eine Ebene darüber erhob sich das mächtige Schlagwerk. Weiter oben folgten Keyboards und Synthesizer und zuoberst fanden Chor und Hörner ihren Platz. Das Resultat: ein Sound, der mit beeindruckender Kraft durch den Saal fegte. Besonders zu Beginn der beiden Konzertteile wurde die Musik vom Schlagwerk vorangetrieben. Gleich zwei komplette Drum-Setups, dazu riesige Taiko-Trommeln und eine Reihe weiterer perkussiver Instrumente sorgten für eine unaufhaltsam pushende Kraft. Das unaufhörliche Gedonner und Gehämmer bei den eher düsteren Songs erzeugte so viel Bewegung und Energie, dass man ein wenig bedauerte, auf den Sitzen bleiben zu müssen. Bei so viel Action wären so einige am liebsten aufgestanden.
Hans Zimmer nahm uns mit auf eine Reise in die Tiefen seiner Schöpfungen – eine Reise durch riesige Klangwelten, voller Emotionen und faszinierender Geschichten. Es blieb schlicht unmöglich, sich dieser Wucht zu entziehen. Der Sound riss uns vollständig mit und vor dem inneren Auge liefen die Szenen der jeweiligen Welten ab. Mal fand man sich in den düsteren Gassen Londons wieder, im nächsten Moment in den Schatten von Gotham City. Ein harter Wechsel und schon schwebte man über weite Wüstenlandschaften, die sonnendurchflutete Savanne und hinaus bis in die grenzenlose Weite des Weltalls.
Die zahlreichen, in diesem Bandformat präsentierten Neuinterpretationen der Stücke wurden vom Publikum begeistert gefeiert. Besonderer Jubel galt den Solisten des Abends, darunter Gitarrist Guthrie Govan, Sänger Lebo M sowie Loire Cotler und Lisa Gerrard, deren kraftvolle Stimmen das Publikum wegfegten.
Und wo ist der Erschaffer dieser Musik? Einfach überall. Mal wuselnd durch die Reihen, mal an der Gitarre, mal zuvorderst an seinem Keyboard und hin und wieder nahm er sich auch einfach zurück, liess die Musik wirken und bestaunte fasziniert die Solo-Stellen seiner musizierenden Kolleg:innen. Natürlich nicht zu vergessen waren seine grossartigen Ansprachen. Hans Zimmer führte mit seiner charismatischen, humorvollen Art durch das Programm, als wäre er ein klassischer Konzertmoderator. Teilweise völlig aus dem Häuschen, wechselte er immer zwischen Deutsch und Englisch, manchmal ohne es selbst zu merken. Immer wieder erzählte er kleine Geschichten aus der Entstehung seiner Musik oder deren Bedeutung, würdigte die Menschen, die ihn seit Jahren musikalisch begleiten und stellte nacheinander die einzelnen Personen ins Rampenlicht. Besonders rührend war seine sichtbare Dankbarkeit darüber, wieder in dieser Form live auftreten und die unmittelbare Reaktion des Publikums erleben zu dürfen. Am Ende verliess ein überwältigtes Publikum das Konzert, erfüllt von einem Sound, der noch lange nachhallte

