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Legendäre Plattentaufe mit den Failed Teachers

22/03/26
von David Spring

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Failed Teachers + The Monofones

Schüür – Luzern
Samstag, 20. März 2026

Text: David Spring

Dieser Tage braucht es einiges, um mich aus den eigenen vier Wänden zu locken. Alles ist nur noch mühsam draussen. Die Welt geht unter und überhaupt, im Bett ist es eh viel gemütlicher. Aber Obacht, es gibt da so eine Band, die macht laute Musik, mit grobschlächtigen Gitarren und wildem Geschrei – und einem Bildungsauftrag, wie es ihn kein zweites Mal gibt in unserem beschaulichen Ländchen. Die Rede ist natürlich von den Failed Teachers. 2007 tauften die beiden im Hotel Anker in Luzern ihr erstes Album. Und heute, kurze 19 Jahre später, finden wir uns in der Schüür ein, um Album Nummer zwei, «We Hate Everything You Adore», feierlich zu begiessen. Täglich grüsst das Murmeltier oder so.

Den Auftakt machten die sympathische Dame und Herren von The Monofones. Es muss befreiend sein, für die Failed Teachers zu eröffnen, weil wirklich jede Band allen Regeln der Kunst nach besser spielt, als diese zwei Irren. Und so boten uns die drei Rocker:innen eine astreine Show mit viel Unterhaltung und ordentlich Bewegung. Auch wenn dem Gitarristen schon beim zweiten Song eine Saite riss und die Ersatzgitarre wohl länger nicht mehr gestimmt wurde, spielte das kaum eine Rolle. Niemand scherte sich einen Deut um Perfektion, dafür waren The Monofones einfach viel zu sympathisch. Sängerin Miss O.O stellte fest, dass sowohl sie, als auch der Drummer ehemalige, gescheiterte Lehrer seien. Wobei die pädagogische Karriere des Schlagzeugers nur bis zum Zumba-Instruktor reichte – aber zum heutigen Abend passt das ja auch.

The Monofones

Derweil hielt sich der Gitarrist selten lange auf der Bühne auf und stürzte sich lieber mitten ins Getümmel, um bis zum Mischpult durchzutanzen und die Leute aufzuwühlen oder gleich mal inklusive Gitarre über die Meute hinweg zu crowdsurfen. Kein Wunder war das ohnehin zum Feiern aufgelegte Publikum bald in Bewegung. Die zappelige Musik war wie geschaffen, um die Leute zum Mitmachen zu animieren. So stellten sich The Monofones als ideale Support-Band heraus. Das machte unglaublich Laune und ganz offensichtlich freute sich auch die Band ausserordentlich, hier dabei zu sein. Einfach schön, wie toll unsere Szene sich feiern kann und zusammenhält.

Damit war dann aber Schluss mit lustig und es erklang tatsächlich ein Intro-Tape. Ich glaube, so etwas hat es bei den Failed Teachers auch noch nie gegeben. An Epik und Pomp kaum zu überbieten, betraten Turbowolf und El Padre die Bretter, die die Welt bedeuten, und legten gleich amtlich mit dem wundervollen «All Jobs Are Bastards» los. Da es heute aber keine simple Lektion wie jede andere war, sondern eine Albumtaufe, waren die beiden nicht alleine auf der Bühne. Man war sich nicht zu schade, den waschechten Chor der Luzerner (oder war es der Zürcher?) Polizei aufzubieten – oder zumindest die Temu-Variante davon. Mit schicken Polizeihelmen, hübschen Teetassen und Deville’schem Warpaint, boten uns Urban Junior, Simone Kern und Jane Mumford Tanzeinlagen und Gesang, der die musikalische Qualität des Abends ins Unermessliche steigerte.

Ebenso unerwartet und weitaus befremdlicher war die Tatsache, dass uns die Failed Teachers sogar eine Video-Show mitbrachten. Was wie eine auf höchstem Programmier-Skill-Level erstellte Animation aussah, war in Wirklichkeit ein interaktives, durch einen vor dem Drumkit befindenden Buzzer gesteuertes Spiel, in dem ebenjenes Schlagzeug gegen die Wand gepfeffert werden konnte. Grund dafür war, dass El Padres eigenes Drumkit am Vorabend so malträtiert worden war, dass man kurzerhand das der Möped Lads ausleihen musste. Darum musste sich der arme Padre wohl in seiner sonst üblichen Zerstörungswut etwas zurückhalten.

Failed Teachers

Musikalisch verlief der Abend auf ungewohnt hohem Niveau, was vor allem der weitgehend aus neuen Songs bestehenden Setlist, sowie den vielen Gästen geschuldet war. Natürlich heisst das nicht, dass jetzt alles fehlerfrei, sauber oder mit mehr als dem absoluten Minimum an Konzentration und Effort vorgetragen wurde. Es gab wohl selten eine chaotischere, durchgeknalltere und aberwitzigere Show als das, was uns hier präsentiert wurde. Aber die astreine Post-Punk-Hymne «Post-Punk Took My Baby Away» wurde zum Beispiel durch ein Gastspiel von Ismail Osman verschnörkelt, seines Zeichens Gitarrist von El Padres alter New-Wave-Gruppe Les Yeux Sans Visage. Und für «Antifa-Fa-Fantasy» gab es Unterstützung vom Möped-Lads-Saitenhexer Dandy, für «Fresh Sounds For Rotten Adults» sogar eine Trompete von niemand Geringerem als Irie-Révolté-Bläser Michael Comba. Hochkarätige Gäste also – und nur das Beste, für die einzigartig fantastischen Failed Teachers.

Was bei so viel Professionalität natürlich nicht fehlen durfte, waren die glorreichen Wortgefechte zwischen den beiden Lehrfachpersonen. Wie gewohnt quatschten sich die beiden um Kopf und Kragen. Nicht selten hielten wir uns vor Lachen die Bäuche und konnten gleichzeitig nicht anders, als ungläubig die Köpfe zu schütteln. Das macht den beiden so schnell wirklich niemand nach: auf solch unfassbar chaotische Art zu unterhalten. Ich sage nur: «Lieber gehen meine Kinder im Pfadi-Verein «Junge Tat» ins Wanderlager, als jemals Hip-Hop zu hören!» Viel mehr als alles andere merkte man den beiden bei allem Klamauk aber auch immer wieder aufrichtigen Dank und schiere Ungläubigkeit ob so vieler Menschen im Publikum an. Aber immer, wenn alles etwas zu herzerwärmend zu werden drohte, kam die nächste bizarre Aktion: ein Wett-Surfen der beiden Lehrer zum Merch, ein todesmutiges Kind, das sich unablässig im Stage-Diving übte, ein Schlagzeug-Solo von Jane Mumford und natürlich unsterbliche Hits wie «Billy, Kenny And Me» oder das immer wieder gehaltvolle «I Love The Man With The Moustache».

Ich kann es kaum anders sagen, aber schon die Vorstellung, dass diese Band so lange ihr Unwesen treibt, dass ich ihnen seit der ersten Plattentaufe folge und sie nun mit einem neuen Album von einer vollen Schüür so grenzenlos abgefeiert erleben durfte, mit so viel Ehrfurcht wie Wahnsinn im Gesicht, erweckte unerwartet viele Emotionen in mir. Und ich glaube, es ging an diesem Abend noch einigen so. Nostalgische Gefühle, fantastische Songs, Verletzungen, Spass, geschundene Körper, ein bisschen Homoerotik, Bierduschen, freudig tanzende Menschen und mittendrin zwei Lehrer, wie es sie nur einmal gibt. Es war ein unglaubliches Fest, eine Lektion wie keine andere. Es war ausserdem eine grosse Ehre, bei dieser zweiten fantastischen Plattentaufe der einzigartigen Failed Teachers dabei zu sein. Und es ist und bleibt eine Ehre, derselben Szene anzugehören, wie diese beiden Irren und ihre unsterblichen Hits. Riot rules the town – forever!

Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: David Spring, Failed Teachers, Luzern, musiCH, Punk, Schüür, The Monofones

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