
Sedel – Luzern
Sonntag, 22. Februar 2026
Text: Roger Strebel / Bilder: Melissa Mangold
Mit Faetooth, Coltaine und Radon durchbrachen gleich drei Bands die wabernden Nebelschwaden der Unterwelt und sorgten dafür, dass der Sonntagabend im Sedel genauso endete, wie er begann: laut, schwermütig und obskur, durchsetzt mit feenhaften Stimmen und markdurchdringenden Schreien in dunstverhangener Atmosphäre.
Den Auftakt machte die Zürcher Blackened Sludge-Band Radon, die ihr Equipment unmittelbar vor der eigentlichen Bühne aufgebaut hatte und damit nicht nur eine schon beinahe intime Nähe zum Publikum schaffte, sondern eine solche auch zuliess. Mit grossem Mut für eine schon fast atemberaubende Langsamkeit mäandrierte das Trio durch verschlungene Soundstrukturen mit gnadenlos schweren Bass-Riffs und mitunter rasend schnellem Gitarrensound. Bemerkenswert ist, dass Sam, Milena und Sab den Gesang untereinander aufteilen und damit mal solo, mal mehrstimmig unterwegs sind. Dadurch entsteht nicht nur auf der Ebene der Performance, sondern auch auf der Ebene der Wahrnehmung der Band durch das Publikum eine grosse Egalität und Verbundenheit. Da es Radon in der Formation, wie sie sich im Sedel präsentierte, in Zukunft nicht mehr geben wird (die Band orientierte darüber auf Social Media), kam diesem Gig (ein aller letzter erfolgte am Tag darauf im Bad Bonn, Düdingen) ein ganz besonderer Stellenwert zu und lässt das Doom-Publikum mit Sicherheit mit einem grossen weinenden Auge zurück. Danke, Radon.
Wände, Böden und Decken im Sedel waren kaum zum Stillstand gekommen, als Containe zu ihrem Gig einluden. Das von Sängerin Julia eingangs verwendete Windspiel zog das Publikum sogleich hinaus in eine (vermeintliche) Leichtigkeit des Seins einerseits und in das mystisch sagenumwobene Ambiente eines in spätherbstlicher Stimmung dampfenden Erlenbruchs des Schwarzwalds andererseits. Der Sound der vierköpfigen Band aus Karlsruhe besticht durch eine anmutige Härte, in denen Intarsien gleichend tragisch schöne, akustische Gitarrenklänge (diese riefen zumindest bei mir dann und wann eine Assoziation zu Pink Floyd hervor), eine tranceartige Stimmung verbreit(et)en.
Coltaine haben seit ihrer Gründung im Jahr 2022 mit “Forgotten Ways“ (2024) und “Brandung“ (2025) zwei Alben herausgegeben, die sie an diesem Abend im Sedel zu mehr oder weniger gleichen Teilen präsentierten. Interessant ist, dass die Band sowohl Deutsche als auch Englische und (vereinzelt) Französische Songtitel verwendet. Gesungen wird aber fast ausschliesslich auf Englisch, wobei Coltaine immer wieder auch mit rein instrumentellen Stücken oder längeren instrumentalen Passagen aufwarteten und eine wunderbar melancholisch düstere Stimmung an Faetooth, mit denen sie seit nunmehr fünf Wochen durch UK und Europa touren, weitergaben.
Dass der Vielfach besungenen Sonnenschein des Golden States Kalifornien zur Schaffung märchenhafter Klangwelten animiert, verwundert wenig. Dass dieser Märchenwelt aber gleichzeitig auch eine melancholische Schwermut innewohnt, ist auf Anhieb hingegen nicht zwingend zu erwarten, widerspiegelt aber exakt das künstlerische Schaffen von Faetooth. Das US-Trio hatte 2022 mit “The Remnants Of The Vessel“ ein vielbeachtetes Debüt-Album herausgebracht und mit ihrem Fairy Doom eine ganz eigene Stilrichtung kreiert. Diese entwickelte Faetooth mit “Labyrinthine“ (2025) in der Folge auf eindrückliche Art und Weise weiter, auch in dem die Band die dreistimmigen Vocals noch intensiver nutzt(e).
Mehrstimmige Harmonien, tonnenschwere Riffs und eindrückliche Duelle, die sich Ari May an der Gitarre und Jenna Garcia am Bass eins ums andere Mal, auf der Bühne stehend oder kniend, lieferten, waren sodann die Essenz von Faetooth an ihrem Gig im Sedel, der, notabene, der allererste der Band auf Schweizer Boden überhaupt war. Das zahlreich erschienene und bunt gemischte Publikum kam durch die mit viel Herz und Engagement vorgetragene Show von Faetooth zu einem stimmungsvollen und energiegeladenen Abschluss der Woche, zu dem Coltaine und Radon einen grossen Anteil beisteuerten.







































































