
Danko Jones + Tuk Smith And The Restless Hearts
Kofmehl – Solothurn
Freitag, 5. Dezember 2025
Text: David Spring
Rock ist tot, lang lebe der Rock! Viele der alten Stars manövrieren sich nach und nach selber durch unmögliches Verhalten ins Abseits oder werden endgültig von ihrem Lebensstil vergangener Tage eingeholt. Selbst der Prince of Darkness ist von uns gegangen. Doch einen gibt es, der wacker die Flamme des Rocks hochhält, der unbeirrt seinen Weg der dreckigen Riffs und noch dreckigeren Texte geht und einen Hit nach dem anderen rausballert: Danko Jones. Und an diesem kalten Freitagabend im Dezember sollte der Herr mit der scheinenden Glatze im schicken Solothurner Kofmehl aufspielen, um uns zu beweisen, dass Gevatter Rock doch noch nicht ganz den Löffel abgegeben hat.
Den Auftakt machten Tuk Smith und seine Band The Restless Hearts. Das Kofmehl zeigte sich seines Namens als Rocktempel würdig und war von Beginn an gut dabei. Ehrlicherweise brauchte es aber auch nicht viel, um von den supercoolen Riffs und den herrlichen Gitarrensolos mitgerissen zu werden. Tuk und seine Mannen zelebrierten den Rock der alten Schule mit massig Attitüde und Sex-Appeal, allerdings ohne dabei schmierig oder anachronistisch zu wirken. Das machte einfach gut Spass, so wie es sich gehört. Die Jungs aus Nashville hatten diesen sichtlich auf der Bühne ebenso und Tuk zeigte sich als geborener Entertainer. Seine Restless Hearts stellte er als Keith Richards und Peter Criss ohne Kokain vor, sich selbst noch treffender als abgehalfterten Noel Fielding – ein Witz, den nur die wenigsten in Solothurn so wirklich zu goutieren wussten. Banausen.

Der Stimmung tat es keinen Abbruch und es wurde munter mit dem Kopf gewippt und die Fäuste in die Luft gereckt. Ein Typ ganz vorne schien die Zeit seines Lebens zu haben, ging er doch ohne Unterbruch ab, als ob es kein Morgen gäbe. Dies bemerkte auch Tuk, der den haarigen Superfan mit einer High-Five und einem Kompliment zu seiner Energie belohnte. Es war ein Fest, dieser Band zuzusehen und mal wieder eine vortreffliche Vorgruppe mitzuerleben. Nach rund 45 Minuten war der Spass leider schon vorbei, doch Tuk Smith And The Restless Hearts gaben mit dem exzellenten «Runnin‘ With The Wild Ones» nochmals alles. Was für ein Hit, glorreiche, zweistimmige Gitarrensolos, spassige Mitsingspielchen und ein wundervoll episches Rock’n’Roll-Epos. Lieben wir.
Doch dann war es soweit und der einzigartige Danko Jones betrat nach kurzem Umbau gut gelaunt die Bühne, um kurzerhand das Kofmehl abzureissen. Offensichtlich in Laune für Rock’n’Roll ging es mit «What Do You Need» und dem rasanten «Diamond In The Rough» gleich ohne Rücksicht auf Verluste los. Was für eine Freude. Die Band war bestens gelaunt und brachte augenblicklich Stimmung auf. Das Kofmehl wurde nicht zum ersten Mal bespielt, aber laut Aussage war es noch nie so voll wie heute, man fühle sich wie Lenny Kravitz in dessen «Fly Away» Video. Die Setliste war ein bunter Mix aus dem Schaffen der umtriebigen Band, natürlich mit Fokus auf der neusten Platte «Leo Rising». Diese pries Danko voller Stolz an, handelt es sich doch immerhin um ihr bereits zwölftes Album, das soll ihnen mal erst jemand nachmachen. Die neuen Tracks passten hervorragend zu den bekannten Hits wie «Forget My Name» oder «Full Of Regret» und ein paar ganz alten Hüten wie «Lovercall» und «Mango Kid». Spätestens beim schon relativ früh auftauchenden Überhit «First Date» gab es kein Halten mehr. Es wurde getanzt, gesungen, blankgezogen, geschrien, geschwitzt und gepogt, wie es sich für eine gepflegte Rockshow gehört.

Gemäss Danko Jones waren wir «the most beautiful crowd of the tour», doch dann entschuldigte er sich, dass er wohl den nächsten Song vergessen habe und darum nun kurz auf die Setliste schielen müsse. Hier sei eben noch alles echt und als alternder Rockstar dürfe man schliesslich auch mal einen Song vergessen. Sehr amüsant, er musste dann auch gleich noch die wundervolle Stimmung auf seinem Handy einfangen, um das an seine Mutter zu schicken, die ihm auch nach fast 30 Jahren Karriere nicht glauben würde, dass er in Europa auf Tour ist. Auch wenn gewisse Ansagen minim einstudiert wirkten, so war es dennoch extrem amüsant und authentisch, denn Danko hatte uns absolut im Griff und das Solothurner Publikum hing an seinen Lippen. Sehr witzig war auch, als der intensive Sänger die riesige Maske, die in der Halle hängt, erst in der Hälfte der Show bemerkte. Er konnte kaum glauben, dass ihm diese Monstrosität noch nie aufgefallen war. Doch all das Geplappere beiseite, Danko Jones waren hier, um zu rocken.
Und das taten sie. Ein grosses Highlight war das glorreiche «Good Time», dessen wundervoll unflätiger Refrain vom ganzen Kofmehl voller Inbrunst mitgesungen wurde. Mit dem vorzüglichen «Had Enough» war dann irgendwann leider auch das Ende gekommen und so gaben alle, vor und auf der Bühne, noch einmal alles. Natürlich folgten noch Zugaben, dochzuerst liess Danko uns wissen, dass ihm schon die ganze Show über ein Typ aufgefallen war, der wirklich jedes Wort perfekt mitsang. Es stellte sich raus, dass dies Stefan, seines Zeichens Sänger der Danko-Jones-Coverband Delicious aus Einsiedeln, war. Nicht nur lobte Danko diesen ausgezeichneten Bandnamen, er bat den Sänger kurzerhand auf die Bühne und so lieferte uns dieser eine fantastische Rendition von «Guess Who’s Back». Beachtlich, der Herr wusste augenscheinlich, was er tat, selbst das Original zeigte sich beeindruckt.

Mit «Lovercall» und dem obligaten «My Little RnR» war dann endgültig Schluss und wir konnten uns als gerockt betrachten. Es besteht kein Zweifel daran: Danko Jones sind die ultimative Rock’n’Roll-Band. Die Riffs, die Energie, der Sex-Appeal, es stimmte einfach alles. Hut ab auch an das Publikum im Kofmehl, das wirklich alles gab, textsicher mitsang und für jeden Schabernack zu haben war. So lässt sich der kalte Winter und die kaputte Welt ertragen, genau so muss das sein. Der Rock ist tot, lang lebe der gottverdammte Rock.

