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Blaues Pferd Festival 2026 – Freitag

26/01/26
von David Spring

Blaues Pferd Festival 2026 – Freitag

blauespferd.ch
Disinclined + Betontod + The Real McKenzies + Sour Bitch + Batteries And Sweets + Mistio

Reitschule – Bern
Freitag, 23. Januar 2026

Text: David Spring | Fotos: Sebastian Bongni (extern)

Was gibt es Schöneres, als einen kalten Freitagabend im Januar in einer kaum merklich wärmeren Halle zu verbringen und dabei zu den sanften Klängen ausgewählter Punkgruppen so richtig durchzudrehen? Genau, gar nichts! Die Eingeweihten unter uns wissen, dass diese Einleitung ohnehin nur eines bedeuten kann: Es ist wieder Zeit für das Blaue Pferd, Berns einzigartiges, vorzügliches Punkrock-Fest der Extraklasse. Ich hoffe, du warst auch dabei, sonst hast du echt was verpasst.

Als Auftakt gab es diesmal etwas Neues: nicht schnelle Riffs und wilder Pogo, sondern feurige Akustik-Akkorde eröffneten den Abend. Für diesen prächtig gemütlichen Start zeigte sich der einzigartige Mistio verantwortlich! Und damit nicht genug, denn der gut gelaunte Troubadour begrüsste uns nicht etwa von der grossen Bühne aus, sondern auf dem Dach der Toiletten beim Eingang. Mistio bewies sich schnell als geborener Entertainer, erzählte uns lustige Geschichten und rockte uns mit ein paar seiner eingängigen Akustik-Punk-Songs, wie nur er es kann. Echt cool, so einen Festivaltag mal etwas anders zu eröffnen. Er stellte uns auch gleich alle Bands des Abends vor, bevor er feststellte, dass unter ihm ja ständig Leute ein- und ausgingen, um ihr Geschäft zu verrichten. Sehr amüsant – was für ein wundervoller Start in den Abend.

Danach ging es dann lautstark auf der grossen Bühne los. Dort standen Batteries And Sweets bereit, die uns mit coolem, melodiösem Pop-Punk in Bewegung brachten. Die Halle war zwar schon ordentlich gefüllt, aber auch noch unglaublich kalt, wie es sich für das Blaue Pferd ja bekanntlich gehört. Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie hier alle mit Mützen und Handschuhen vor der Bühne stehen, was aber oft auch schnell schon zu etwas Bewegung führt. Batteries And Sweets lieferten den perfekten Soundtrack zum Aufwärmen: nicht zu schnell oder wild, dafür sehr professionell dargeboten und vor allem voller authentischer guter Laune und einer Ladung toller, abwechslungsreicher Songs. Mal sanft und gefühlvoll, mal wild und rockig – genau das Richtige, um in Fahrt zu kommen. Die Band taute immer mehr auf und machte ordentlich Laune, was auch im Publikum spürbar war. Mit dem grossartigen «What’s On A Sober Mind Is On A Drunk Tongue» war der Spass viel zu früh schon wieder vorbei. Die heimische Szene kann sich stolz fühlen, mit Batteries And Sweets eine weitere neue, talentierte Band ihr Eigen zu nennen.

Trotz der anhaltenden Kälte war die Stimmung prächtig. Das Blaue Pferd zieht immer wieder die unterschiedlichsten Menschen an, die hier gemeinsam den Punkrock in all seinen Formen feiern. Dieses Jahr wurde sogar Wert darauf gelegt, dass nur draussen geraucht wird, ein Punkt, der in der Reitschule bisher immer eher mühsam war. Natürlich hielten sich lange nicht alle daran, aber die Luftqualität war noch nie so gut hier drinnen – zumindest am frühen Abend.

Mit Sour Bitch stand dann die nächste tolle Entdeckung auf dem Programm. Die aus vier talentierten Musikerinnen bestehende Band aus Prag lieferte eine grossartige Rockshow mit schicken Gitarrensolos und viel Attitüde. Sängerin/Gitarristin Renée Grošková liess uns wissen, dass sie leider ziemlich erkältet sei, was man ihr auch anhörte. Denn sympathischerweise passte nicht jeder Ton perfekt, was den Auftritt aber nur umso authentischer machte. Sour Bitch waren sichtlich angetan von der Reaktion des Publikums und versicherten uns immer wieder, dass es ihnen eine riesige Ehre sei, hier auftreten zu dürfen. So präsentierten sie auch einen brandneuen Song namens «Stay Here», den sie heute zum allerersten Mal live spielten, obwohl die Stimme der Sängerin das kaum mehr zuliess. Sehr charmant und wundervoll ehrlich, was die vier Rock-Ladies uns hier boten. Definitiv eine Band, die man auch künftig im Auge behalten sollte.

Von coolem Punk’n’Roll ging es nun schnurstracks über zu alkoholisiertem Celtic Punk mit quietschendem Dudelsack, denn nun waren The Real McKenzies an der Reihe. Die legendäre kanadische Band ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, liess aber nichts anbrennen. Die Truppe um den unkaputtbaren, mittlerweile 70-jährigen Paul McKenzie ging ab wie ein Zäpfchen und brachte ordentlich Bewegung in die Bude. Der Frontmann bewies sogleich seine schottische Abstammung, stand er doch in der immer noch sehr kalten Halle nur mit Kilt und Stiefeln bekleidet auf der Bühne. Ob das oberkörperfreie Auftreten unbedingt nötig war, sei dahingestellt, immerhin gab es in der Halle definitiv niemanden, der es ihm gleichtat. Dafür war es für uns verweichlichte Festländer dann doch zu kalt. Paul bemerkte lakonisch, dass diese Temperaturen für ihn eher einem schottischer Sommer gleichkämen, und den meisten war das alles ohnehin egal. So oder so: The Real McKenzies brachten die Reitschule ordentlich in Wallung und machten eine Menge Spass. Unsterbliche Hits wie «Nessie», «Chip» und natürlich «Drink Some More» entfachten wilde Pogo-Pits und ein feuchtfröhliches Fest – inklusive einer ausführlich erklärten Rudereinlage: eine ganze Reitschule, die am Boden sitzend einen Song lang ruderte. Ja, vielleicht ist nicht mehr alles an dieser Band ganz so zeitgemäss, aber sind wir ehrlich: Live machen sie halt einfach verdammt viel Spass. Selbst der vermaledeite Dudelsack wird bei ihnen genau richtig eingesetzt, ohne zu nerven. Das kriegen nicht viele artverwandte Gruppen hin. Ein weiterer legendärer Gig am Blauen Pferd!

Dann war es Zeit für den heutigen Headliner und damit einer Band, die wie die Faust aufs Auge an dieses Festival passte: Betontod! Auch hier wurden keine Gefangenen gemacht und die Jungs aus dem Ruhrpott gingen bestens gelaunt voll ab. Wie es sich gehört, war das Publikum voll dabei, zumal Frontmann Meister vorzüglich animierte. Bald schon wurden wir aufgefordert, in der Mitte des Pits einen Graben zu bilden, denn der nächste Song sei einer zum Tanzen. Und nichts ist schliesslich mehr Punkrock als eine Wall of Dance. So rannten sich die Leute beim folgenden «Tanz im Algorithmus» nicht wie gewohnt kopflos im Pit um, sondern tanzten einander lustig entgegen – was für ein Bild! Für meinen Geschmack sind Betontod aber dann am besten, wenn sie voll aufdrehen und härtere Klänge auffahren. Ein gutes Beispiel dafür war das geniale «Kinder des Zorns», das einfach massiv abging und die Leute zum Durchdrehen brachte.

Betontod wären aber natürlich nicht sie selbst, wenn da nicht auch ein paar Sauflieder im Programm wären. Allen voran das grenzdebile «Hömmasammawommanomma» sowie natürlich das allseits beliebte «Glück auf», dessen Refrain «Wir müssen aufhören, weniger zu trinken» am Schluss nicht nur ad nauseam wiederholt wurde, sondern von einigen im Publikum auch sehr wörtlich genommen wurde. Ja, das gehört halt irgendwie immer noch dazu. Zum Glück blieb es aber friedlich und das Publikum feierte einfach die Musik, den Punk und das Bier! Betontod haben zweifellos verdammt viele Hits in petto: von «Bambule & Randale» über «Küss mich» bis hin zu «Im Himmel», das Meister ganz alleine auf der Bühne in einer intimen Piano-Version darbot. Und wenn bei «Nie mehr St. Pauli ohne dich» die ganze Halle freudig mitsingt, dann tut das dem Herzen gut. Ein verdienter Headliner des Blauen Pferdes  und einmal mehr der Beweis, dass die besten Punkbands halt doch meistens aus Deutschland kommen. Wundervoll!

Ja, und damit war der erste Abend des diesjährigen Blauen Pferds leider schon wieder Geschichte. Die abschliessenden Disinclined liessen sich leider nicht mit dem Fahrplan der SBB vereinbaren, weshalb ich schweren Herzens den Nachhauseweg antrat. Die brachiale Hardcore-Band aus Solothurn riss – allem, was mir die sozialen Medien am Morgen danach ausspuckten, nach – die Halle ordentlich ab. Sorry, meine Lieben, das nächste Mal bin ich auch dabei! Auf jeden Fall war es ein wundervoller Abend voller grossartiger Bands, feierwütiger Menschen und einzigartiger Stimmung, wie sie halt einfach nur am Blauen Pferd zu finden ist. Und das Schönste daran: Morgen geht es gleich so weiter. Was gibt es Besseres?

Blaues Pferd Festival 2026 – Samstag

Mistio
Mistio

Mistio
Mistio

Batteries And Sweets
Batteries And Sweets

Batteries And Sweets
Batteries And Sweets

Batteries And Sweets
Batteries And Sweets

Batteries And Sweets
Sour Bitch

Sour Bitch
Sour Bitch

Sour Bitch
Sour Bitch

Sour Bitch
Sour Bitch

Sour Bitch
Sour Bitch

Sour Bitch
The Real McKenzies

The Real McKenzies
The Real McKenzies

The Real McKenzies
The Real McKenzies

The Real McKenzies
The Real McKenzies

The Real McKenzies
The Real McKenzies

The Real McKenzies
Betontod

Betontod
Betontod

Betontod
Betontod

Betontod
Betontod

Betontod
Betontod

Betontod

Eingeordnet unter Fotoreportage, Konzertbericht Schlagworte: Bern, Blaues Pferd, David Spring, Festival, Hardcore, Punk, Reitschule, Sebastian Bongni

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