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Bergmal Festival 2026 – Kraftvoll und Berührend

11/06/26
von Adrian Portmann

Bergmal Festival 2026 - Kraftvoll und Berührend

Bergmal Festival
EF + Leech + Hubris. + Joel Gilardini + newhvn + Nebno

Dynamo – Zürich
Samstag, 6. Juni 2026

Text: Adrian Portmann / Bilder: Melissa Mangold

Teilweise pulsierend, pushend und dann wieder lieblich, sowie zutiefst sentimental. So lässt sich der Sound beschreiben, welcher letzten Samstag im Dynamo herumdröhnte. Die Rede ist natürlich von Post-Rock – einem Genre, das mich seit Jahren fasziniert und es mit Leichtigkeit schafft, den Hörer in eine vielschichtige Klangwelt hineinzureissen. Mehrere Stunden frönten wir an diesem Abend dieser Musik. Dabei war es egal, welche Songs genau gespielt wurden oder welches Album gerade im Vordergrund stand. Jedes einzelne Set-Konzept der Bands, die an dieser Ausgabe des Bergmal Festivals teilnahmen, schaffte es, uns aufzuwirbeln und zu berühren. Ein Highlight des Abends zu nennen – eine Unmöglichkeit.

Gestartet wurde der Abend mit einem, so wie mir erzählt wurde, gelungenen Ambient-Set der Solo-Künstlerin Nebno. Kurz darauf betraten mit newhvn keine Unbekannten die Bühne – handelt es sich dabei doch um die neugetauften A Burial At Sea, welche mit ihrem veränderten Namen auf neue musikalische Wege gehen. Die instrumentellen Post-Rock-Wurzeln ihrer Songs bleiben bestehen, werden jedoch mit Elementen aus der Welt von Shoegaze, sowie Post-Hardcore erweitert. Besonders hervorzuheben ist dabei der Gesang, welcher nun ebenfalls stärker in den Mittelpunkt gerückt ist.

Während der Shows gab es ebenfalls viel zu entdecken. Sei es die wahnsinnig leckere Paella, welche wir auf dem Dynamo-Balkon geniessen konnten oder der grosszügige Merchbereich. Dort sorgte zwischen den Umbaupausen im oberen Stock Joel Gilardini mit seinem Ambient-Set für eine durchgehende Klangkulisse. Wie es nicht anders sein sollte herrschte inmitten dieser ausgelassenen Atmosphäre natürlich auch reger Redebedarf unter den vielen Besucher*innen des Festivals.

Die nachfolgenden drei Formationen, die den Abend auf schönste Weise vollendeten, verliefen in unserem Gefühl wie im Rausch. Hubris. starteten mit herrlichen Gitarrenrhythmen ihre Show, welche durch zunehmende Drumbeats abgelöst wurden. Abermals überzeugten die Freiburger mit ihrer Ausgewogenheit zwischen ruhigen Passagen und gewaltigen Klangwänden, die mehrere Minuten andauerten. Eine Besonderheit ihrer Show war sicherlich die Premiere eines neuen Stücks, wobei die Band gemäss eigenen Aussagen selbst nicht so sicher war, wie der Song live funktionieren würde. Melancholische Klänge, wie bei einem MONO-Song, schwebten im Raum, bevor die Drums die Struktur vorgaben. Danach folgten anhaltende Klangweiten, welche einige Zeit später mit dem ursprünglichen Thema abgeschlossen wurden. Bereits im Mittelteil des Stücks dachte ich mir: Warum hattet ihr da überhaupt Unsicherheit? Dieser Track funktioniert so verdammt gut!

Leech übernahm das Zepter und intensivierte das Ganze weiter – pushend, roh, ehrlich. Die Menschenmenge, ganz innerhalb der Songs versunken, bewegte sich immer heftiger im Klang der Rhythmen oder strahlte stillstehend Richtung Bühne. Jeder hatte eine andere Art, sich auszudrücken. Eine um die andere Klangwand zu Ende gespielt, schrie das Publikum jeweils voller Kraft auf und verlangte nach mehr – immer mehr. Wir konnten einfach nicht genug davon haben. Die 1995 gegründete Aargauer Band bewies erneut, warum sie in der Post-Rock-Szene nicht mehr wegzudenken ist.

Wir waren ganz aufgewirbelt, als wir uns draussen eine kurze Verschnaufpause an diesem angenehm warmen Juniabend gönnten. Der Abend wäre zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon perfekt für uns gewesen. Dass uns die Show von EF dann nochmals so dermassen ergreifen würde, hätten wir uns nie gedacht. Weit ausholende Stücke erfüllten den Raum und beeindruckten mit unzähligen kleinen klanglichen Finessen. Besonders auffällig waren die vielen geschlossenen Augen im Publikum, um sich der Musik so gut wie möglich hinzugeben. Es herrschte ein perfektes Gleichgewicht von konsequenter Stille und gewaltigem Ausbruch. Als würde der Wal, der das Design des Bergmal Festivals ziert, im Konzertsaal herumschwimmen: gemächlich die Tiefe durchgleitend, um dann plötzlich mit voller Wuche an die Oberfläche emporzubrechen.

«Hach, weisst du noch, wo das Lied … gespielt wurde und wo die andere Band ihr berühmtes Stück …», solche Aussagen schwirrten mir an diesem Abend nicht durch den Kopf. Umso fester eingraviert sind grandios inszenierte Tempiwechsel oder Stilübergänge der einzelnen Stücke, die mich noch immer träumen lassen. Zum ersten Mal an diesem Event dabei, kann ich es kaum erwarten, bis uns dieser grosse Blauwal auf die nächste Post-Rock-Reise einlädt.

Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Adrian Portmann, Bergmal, Dynamo, EF, Festival, Hubris., Joel Gilardini, Leech, Melissa Mangold, Nebno, newhvn, Post-Rock, Rock, Zürich

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