
Annisokay + Our Promise + The Narrator
Dynamo – Zürich
Freitag, 28. November 2025
Text: Madeleine Fuhrer
Der Freitagabend im Dynamo in Zürich stand ganz im Zeichen des modernen Metalcores. The Narrator übernahmen den Startschuss und setzten mit ihrem progressiveren Ansatz einen deutlichen Akzent und Kontrast. Ihre Songs waren komplex strukturiert, ohne live an Zugänglichkeit zu verlieren. Besonders die rhythmischen Verschiebungen, kraftvollen Screams und eindringlichen Melodien sorgten dafür, dass das Set fordernd, zugleich aber auch fesselnd wirkte. The Narrator gingen ab dem ersten Ton direkt voll hinein.
Die Band zeichnete sich durch ein dichtes Klangbild aus atmosphärischen Gitarrenflächen, druckvollen Drums und emotionalen Vocals aus. Trotz der technischen Präzision wirkten The Narrator nicht distanziert und fingen das Publikum schnell ein. Sie zeigten eindrucksvoll, dass Metalcore nicht nur Kraft, sondern auch Tiefe und Atmosphäre bedeuten konnte. Ein überzeugender Auftritt, der die perfekte Brücke zu den noch kommenden zwei Bands schlug.
Our Promise folgten mit einer Mischung aus jugendlicher Direktheit und sauber ausgearbeiteten Melodien. Die Band betrat die Bühne ohne grosse Ansage, doch bereits nach wenigen Takten war klar, dass sie das Publikum mühelos mitnehmen würden. Ihre modernen Metalcore-Arrangements, frei von unnötigem Ballast, trafen präzise und wirkten erstaunlich reif.
Vor allem die melodischen Hooks setzten sich fest und gaben den Songs eine emotionale Offenheit, die live besonders gut funktionierte. Die Band suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans, was eine unmittelbare Nähe schuf. Die Kombination aus klaren Vocals und kantigen Shouts war ausdrucksstark und zeigte die Bandbreite der jungen Gruppe.
Ihr Set war kompakt und dicht. Kein Track wirkte überflüssig und die Dynamik blieb konstant hoch. Our Promise hinterliessen den Eindruck einer Band, die wusste, was sie wollte, und die ihren Platz in der Szene mit berechtigtem Selbstvertrauen einnahm. Eine starke, energiegeladene Performance.
Als Annisokay nach ihrem cineastischen Intro die Bühne betraten, war der Raum sofort in vibrierende Bewegung versetzt. Schon bevor der erste Ton erklang, lag eine spürbare, freudige Spannung in der Luft. Bereits beim Introsong „Shake It Off“ von Taylor Swift gab es erste Mini-Moshpits zum Einstimmen. Die Fans drängten sich dichter vor die Bühne und als die Lichter herunterfuhren, brach ein kollektiver Jubel los, der den Auftakt perfekt einleitete.
Mit „Throne Of The Sunset“ eröffneten Annisokay ein kraftvolles Set, das von Beginn an kompromisslos nach vorne ging. Die Mischung aus harten Breakdowns, melodischem Gesang und atmosphärischen Layern zog das Publikum unmittelbar in ihren Bann. Besonders eindrucksvoll wirkte das Zusammenspiel zwischen den Shouts und den klaren Vocal-Passagen, die live noch direkter und intensiver wirkten als auf den Studioaufnahmen. Der Sound war druckvoll und perfekt balanciert, ohne je die Details der Arrangements zu überdecken.
Die Band zeigte sich gewohnt präzise und sauber, aber gleichzeitig mit einer Energie, die den Raum konstant auflud. Songs wie „Human“ oder „Coma Blue“ liessen die Menge pulsieren, während die härteren Parts immer wieder Circle Pits auslösten. Trotz der Wucht blieb Raum für Emotionen: In den ruhigeren Momenten entstanden dichte Stimmungsbilder.
Besonders stark fiel die Bühnenpräsenz der Band auf. Annisokay suchten immer wieder die Nähe zu den Fans, richteten das Mikro ins Publikum, animierten zum Mitsingen und schufen damit eine dynamische Wechselwirkung, die den Abend lebendig und unmittelbar machte. Die Show lebte von diesem Spiel zwischen Energie und Melancholie, zwischen brachialen Riffs und schwebenden Melodien. Shouter Rudi Schwarzer begab sich mehrmals in die Menge – mal stehend auf den Crash Barriers, mal als Crowdsurfer und mal mitten in den Moshpit rein.
Zum Finale setzte die Band mit „STFU“ und einem letzten, wuchtigen Ausbruch noch einmal alles auf eine Karte. Die Fans dankten es mit lautstarker, ehrlicher Begeisterung. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie sehr Annisokay ihren Sound weiterentwickelt hatten, ohne ihre Kernidentität zu verlieren. Modern, emotional und kraftvoll. Die Fans wollten nach dem letzten Song – selbsterklärend nach diesem Auftritt – von Annisokay am liebsten noch mehr.

