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Open Air Gränichen 2026 – De Donnstig

01/08/26
von Roger Strebel

Open Air Gränichen 2026 - De Donnstig - Vulvarine

openairgraenichen.ch
Vulvarine + Fire Rose + Cello Inferno

Moortal – Gränichen
Donnerstag, 30. Juli 2026

Text: Roger Strebel

Nicht wenige Leute können es jeweils kaum erwarten, bis die Festival-Saison wieder startet. Ich persönlich bevorzuge im Grundsatz Gigs in überschaubaren Clubs. Wenn jedoch Vulvarine die Bühne rocken, nehme ich die Ausnahme, die «im Grundsatz» ja durchaus drin liegt, nur allzu gerne in Anspruch. Die fünfköpfige all female Vulvarock Band aus Wien hat grad einen ziemlich heftigen Festival-Sommer am Laufen und machte am De Donnstig des Open Air Gränichen Halt. Von wegen Halt. Ganz und gar nicht übergehen will ich an dieser Stelle natürlich die beiden anderen Bands, die mit auf dem Line-Up standen und, soviel sei schon mal vorweg genommen, das eigentliche Festival gleichermassen grandios lancierten: Fire Rose aus dem Baselbiet sowie der ursprünglich aus Luzern stammende Cello Inferno, der im Grundsatz (das hatten wir doch eben erst) als One Man Band auftritt, seit einiger Zeit aber gemeinsam mit Flo aka Flink Arbaro unterwegs ist. Dass auch feinstes Bier angekündigt war, hat mich, um es mal defensiv zu formulieren, auch nicht zwingend daran gehindert, an De Donnstig zu gehen.

Cello Inferno

Punkt halb sieben Uhr luden der infernal gut gelaunte (Mar-) Cello Inferno an Banjo, Blues Harp (manche sagen dazu auch einfach Schnurrägiigä) und Bialetti-Drum-Becken gemeinsam mit seinem Companion Flink Arbaro am Washtube-Bass zum Tanz resp. einem Ritt durch ein paar ziemlich groovige Bluegrass-/Countrysongs. Mit dem Wechsel auf die erste DIY-Gitarre (richtig geschlussfolgert: weitere DIY-Gitarren würden folgen, z.B. ein umgebautes Skateboard), deren Body gerade mal die Grösse eines stinknormalen Küchenbretts hatte, legte das Duo stilistisch eine Schippe drauf und begeisterte das Publikum mit einem Bluesrock Dampfhammer. Wo die eigentliche musikalische Vorliebe von Cello Inferno steckt, kann ich zwar nur vermuten. Mit ihrer ganz eigenen Interpretation des Slayer-Bangers «Seasons In The Abyss» offenbarte die Band aber, dass ihr Motto «100% no Beauty and no Talent, but 666% Rock & Roll», zumindest was den letzten Teil betrifft, durchaus ernst gemeint ist, zumal an dieser Stelle der Show eigentlich die feuerspeiende Gitarre und Kaffeemaschine vorgesehen waren. Die Brandgefahr machte Cello Inferno leider einen Strich durch die Rechnung. Dann halt «666 Temptations», ein Song über einen Pakt mit dem Teufel, der erwartungsgemäss nicht das einbrachte, was man sich erhofft hatte; ob da wer an die Novelle «Die Schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf gedacht hat? Die Mischung aus stampfendem Deltablues und Punkrock brachte mir die schauerlichen Bilder der überall herumkrabbelnden Achtbeiner jedenfalls in schon fast spürbare Erinnerung. Zu guter Letzt entführten Cello Inferno das Publikum noch weg von der Musik hin zu einem Zustand, wie (Mar-) Cello meinte, und warteten mit einem paralysierend-hypnotischen Schlussbouquet auf. Das Dunkle von Rabenbrau schmeckte dazu höllisch.

Fire Rose

Der kurz darauf durch das Festivalgelände schallende Soundcheck liess erahnen, dass die nachfolgende Band den Druck um mindestens zwei Liegen erhöhen würde. Fünf gegen zwei ist natürlich auch nicht fair. Nun, es wollte auch niemand Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern und wenn schon das Inferno mit einer Feuerrose aka Fire Rose, die «die glühende Hitze des Feuers und die wilde Leidenschaft einer Rose» (Zitat Website Fire Rose) auf die Bühne brachten. Es war also Zeit für eine Runde Hard Rock/Heavy Metal aus dem Baselbiet. Die Jungs, derart gut gelaunt, dass Philipp Meier (Gesang) in Gedanken bereits beim Freitag (dabei war doch erst De Donnstig, …. grins) war, gaben ab Sekunde eins Vollgas und packten mit dem dritten Song «Touchdown» ihres Sets einen ersten mächtig vorwärts marschierenden Banger aus. Die anschliessende Powerballade «Fields Of Honor» liess das inzwischen merklich angewachsene Publikum (De Donnstig ist halt auch Arbeitstag) nur kurz durchatmen, denn sogleich war es Zeit für den (neuen) Song «Straight Lined». Der Song geht tatsächlich straight lined (gemäss meiner Übersetzung: geradlinig) in die Fresse. Dass Fire Rose aber auch ganz zahm können, ja schon beinahe müssen (was wäre Hard Rock/Heavy Metal ohne Ballade), bewiesen sie in der Folge mit «Rain Falling Down». Spätestens jetzt war die Front Row ausgebucht mit Pamir-Knirpsen; ihr wisst schon. Und dann war da noch die Hommage an die NWOBHM mit dem Titel «Heavy Metal Still Burns», ach war das schön und löste bei mir schon grosse Vorfreude aus auf das bevorstehende Konzert von Saxon, Girlschool und Fireborn. Ihren letzten Song widmeten Fire Rose allen, die zu ihrem Konzert gekommen sind, den «Heroes» vom De Donnstig.

Vulvarine

Wer den ersten Abschnitt meines Berichts gelesen hat, weiss, dass De Donnstig damit noch lange nicht fertig war. Denn da waren noch Vulvarine aus Wien in den Startlöchern, die gleichentags 10 Stunden in ihrem Vulvan, einem orange farbenen Transporter mit über 300’000 km auf dem Tacho, dafür ganz ohne Klimaanlage (und mit Robin Readbreast, der Bassistin, auf dem Rücksitz liegend, weil ihr die Hexe einen Schuss in den Rücken schoss), nach Gränichen gefahren waren. Vulvarine fühlten sich aktuell zwar paniert wie Schnitzel, meinte Lauree Blaze (Gesang). Deswegen ein Konzert absagen, denkste. Der Opener «The Drugs, The Love, The Pain» machte dem Zustand der Band also alle Ehren, auch wenn The Pain aktuell eher physisch denn psychisch war. Ob es an der guten Stimmung liegt, die Vulvarine per se verbreiten, am österreichischen Dialekt oder doch am Wiener Schmäh, spätestens mit dem Song «The Fool» hatten die fünf Frauen das Publikum im Sack. Ihr Vulvarock, ein wilder Mix aus Punk, Heavy Metal und Rock ’n’ Roll trug sicher dazu bei. Zu meinem grossen Vergnügen stand auch «Polly The Trucker» (richtig: mein Lieblingstitel) auf der Setlist. Mit «Cheri Cheri Lady» hatten Vulvarine sogar etwas für Disco-Mäuse mit im Gepäck. Den Song hat die Band von Modern Talking geklaut und zu einer groovigen Punk-Hymne uminterpretiert. Das Publikum, das meiner Einschätzung nach zu Beginn nicht so recht wusste, was Vulvarine drauf haben würden, war nun endgültig aus dem Häuschen und sang die Tonleiter, die Lauree im Track «White Pricks» vorgab, lauthals mit. Die Musikerinnen waren offensichtlich selbst etwas überrascht, wie intensiv sie abgefeiert wurden. Ja selbst die Kids, die sich in inzwischen in grosser Anzahl direkt vor die Bühne gesetzt hatten, sangen aus voller Kehle mit. Als Dank dafür gab es einen Circle-Pit mit Sandy und zu aller guter Letzt eine Band, die am Merch-Stand Autogramme und Selfies verteilte.

De Donnstig war zwar nur der kleine Bruder des eigentlichen Open Air Gränichen. Minderwertigkeitskomplexe muss er aber ganz sicher keine haben. Und das Bier war auch Sonderklasse.

Setlist Fire Rose

  1. Rise Like The Sun
  2. Wheels On Fire
  3. Touchdown
  4. Fields Of Honor
  5. Straight Lined
  6. Stronger
  7. We Are Wild
  8. Rain Falling Down
  9. Blood On Your Hands
  10. Heavy Metal Still Burns
  11. Get It All
  12. Heroes

Setlist Vulvarine

  1. The Drugs, The Love, The Pain
  2. Good Time
  3. Demons
  4. Fool
  5. Equal, Not The Same
  6. Polly The Trucker
  7. Ancient Soul
  8. Cheri Cheri Lady
  9. Heads Held High
  10. Bad Medication
  11. White Pricks
  12. Randy Haze
  13. Rock Bottom
Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Blues, Festival, Gränichen, Hard Rock, Heavy Metal, Moortal, Open Air Gränichen, Punk, Roger Strebel

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