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Airbourne und Voltage Arc im Kofmehl – Bierpong mal anders

24/07/26
von Peter Burckhardt

Airbourne und Voltage Arc im Kofmehl - Bierpong mal anders

Airbourne + Voltage Arc

Kofmehl – Solothurn
Mittwoch, 22. Juli 2026

Text: Peter Burckhardt

Lange ist es her, seit ich die australischen Rocker von Airbourne zuletzt live erleben durfte. Genauer gesagt sind sechzehn Jahre vergangen – damals auf einem der legendärsten Festivals, das hierzulande je stattgefunden hat: dem Sonisphere 2010. Legendär war das Festival nicht nur wegen seines heute kaum mehr vorstellbaren Line-ups mit Bands wie Metallica und Motörhead, sondern auch wegen der Schlammschlacht des Jahrhunderts. Nicht ohne Grund wurden später T-Shirts mit der Aufschrift „I Survived Sonisphere 2010“ verkauft.

Doch kommen wir in die Gegenwart: I survived die letzten sechzehn Jahre ebenfalls und es wurde höchste Zeit, Airbourne endlich wieder auf der Bühne zu erleben. Gespannt, ob die Dudes noch immer so wild sind wie damals und ob sie sich weiterhin Bierdosen an den Schädel hämmern, bis sie platzen, machte ich mich an diesem Mittwochabend auf den Weg ins Kofmehl in Solothurn.

Eröffnet wurde das Rock ‘n’ Roll-Spektakel von Voltage Arc. Die junge Band aus dem Aargau spielt klassischen, von den Achtzigern inspirierten Hard Rock und führt damit die lange Tradition von Schweizer Bands wie Krokus oder Shakra fort. Leider war ich etwas spät dran und bekam nicht mehr viel vom Konzert mit, doch Voltage Arc passten perfekt als Einstimmung und brachten den 4/4-Takt-Motor im ausverkauften Kofmehl ordentlich auf Touren. Sehr sympathisch, dass eine lokale Band die Möglichkeit bekam, für Airbourne einzuheizen.

Ich werde euch in diesem Bericht nicht mit Songtiteln langweilen, denn seien wir ehrlich: Airbourne leben nicht von einzelnen herausstechenden Songs, sondern von ihrer schier unbändigen Energie. Ein bisschen wie AC/DC auf Speed. Die Gitarren sind kantig, die Posen breitbeinig, und der Schweiss fliesst in Strömen in die engen schwarzen Lederhosen. Airbourne erfüllen kompromisslos jedes Rock-’n‘-Roll-Klischee, und das mit einer solchen Überzeugung, dass es weder lächerlich noch gekünstelt wirkt. Diese Attitüde kommt offensichtlich bei Jung und Alt gleichermassen gut an, denn das Publikum war alterstechnisch bunt gemischt. Farbtechnisch allerdings deutlich weniger: Der Saal wurde stilgerecht zu einem Meer aus schwarzen Bandshirts.

Nach der Umbaupause, in der das Publikum mit Songs von Judas Priest, Motörhead und AC/DC bereits in Mitsinglaune gebracht wurde, begann die Show mit einem kurzen Intro. Obwohl Frontmann Joel O’Keeffe alles gab und wie ein tasmanischer Teufel von einer Bühnenseite zur anderen wirbelte, war die Stimmung während der ersten drei oder vier Songs noch etwas verhalten. Ich persönlich fand, dass soundtechnisch noch Luft nach oben war, was vielleicht der Grund für diesen etwas verhaltenen Beginn gewesen sein könnte. Doch Airbourne ziehen ihr Ding durch, egal, was ist und was noch kommt. Spätestens als Joel O’Keeffe auf den Schultern eines Helfers ein paar Runden durch das Publikum ritt und dabei den eingangs erwähnten Bierdosen-Move vollführte, war das Eis gebrochen und die Rock-’n‘-Roll-Party in vollem Gange.

Airbourne haben tatsächlich nichts von ihrer Energie eingebüsst. Während die Band mit voller Hingabe abrockte, fegte Joel O’Keeffe Gitarre spielend über die Bühne und legte dabei vermutlich mehr Kilometer zurück als Lionel Messi während einer ganzen Fussball-WM. Zwischen den Songs huldigte er dem Rock ‘n’ Roll und machte immer wieder auf die Wichtigkeit aufmerksam, lokale Bands wie Voltage Arc und Clubs wie das Kofmehl zu unterstützen. Trotz routinierter und professioneller Show nahm ich ihm diese Bodenständigkeit und die gute Laune jederzeit ab.

Nach einer Wall of Death, zahlreichen Mitsing-Refrains und wilden Gitarrensolos wurde schliesslich Munition in Form von halbvollen Bierbechern auf die Bühne gebracht. Gegen Ende des Sets bombardierte die Band das Publikum regelrecht damit. Sänger Joel O’Keeffe zelebrierte die etwas andere Art des Bierpong regelrecht und schleuderte ein Getränk nach dem anderen zielsicher in die Menge. Eine kleine Lehrstunde in Physik, denn die Becher flogen in einem solchen Winkel, dass das Bier während des Flugs grösstenteils darin blieb. Ganz ohne Bierduschen ging es trotzdem nicht: Spätestens beim Versuch, die flüssige Luftpost zu fangen, verteilte sich der Inhalt zuverlässig über die Umstehenden.

Etwas mehr als eine Stunde dauerte das reguläre Set. Natürlich verlangte das biergetränkte Publikum Nachschub. Airbourne liessen sich nicht zweimal bitten und bewiesen nochmal, dass der Rock’n’Roll unsterblich ist. „Runnin‘ Wild“ bildete den würdigen Schlusspunkt einer schweisstreibenden Hardrock-Sause, an die ich mich vermutlich auch in sechzehn Jahren noch erinnern werde

Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Airbourne, Hard Rock, Kofmehl, Peter Burckhardt, Rock, Solothurn, Voltage Arc

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