
Hassle Records / VÖ: 26. Juni 2026 / Punk, Hardcore
deadpioneers.band
Text: Michael Messerli
«Wagon Burner» beginnt mit einem Manifest. Dabei holt die Aktualität die bereits geschriebenen Texte von Sänger Gregg Deal ein. Weil das alles nicht neu ist: Faschismus, Rassismus, Kolonialismus und soziale Ungleichheit. Nur wurde es in den letzten Jahrzehnten selten so offen goutiert. Man muss zwar in der Geschichte der USA nicht allzu weit zurückgehen, um festzustellen, worin das alles wurzelt. Eigentlich muss man zurzeit nirgendwohin zurückgehen. Es reicht auch schon ein Blick auf das jetzige Europa. Und die Schweiz. In den reichsten Ländern der Erde, wozu sich die USA selbst auch zählen, sprechen alle von «Problemen». Man sollte nur keinen Menschen trauen, die Lösungen für vermeintliche Probleme propagieren, für die sie selbst verantwortlich sind.
«No Kings»! Das ist der nötige Rage Against the Regime. Das sind die Dead Pioneers. Die Worte von Gregg Deal seien Botschaften der Hoffnung, singt er. Aber natürlich ist er wütend. Wer das Gefühl hat, diese Worte beschränken sich nur auf die USA, der irrt gewaltig: «Happens to us/ Will happen to you». Das dritte Album dieser eher zufällig entstandenen Punkband ist kollaborativer und melodiöser. Es hat Gesang und Refrains sowie Gastbeiträge von Stephanie Byrne (Cheap Perfume), The Interrupters und Jason Williamson (Sleaford Mods). Das macht einige dieser Botschaften zugänglicher, niederschwelliger. Das wirkt in «Never Alone» zwar beliebig, hat im einen oder anderen Refrain mehr den Charakter von Parolen. Aber abgesehen von diesem kleinen Schwachpunkt ist «Wagon Burner» ein sehr starkes, pointiertes Album – und textlich ohnehin wieder herausragend.
«Zealots» ist dessen Lokomotive. Hier wird eingeheizt und die restlichen Wagen mitgezogen. «You are just a pig of a different color/ I don’t think you hate me/ I think you hate yourself/ I’ll pray that age brings wisdom/ Until then/ Shut your mouth». Bei den Dead Pioneers klingt die Hoffnung bitterböse. Ein anderes solches Beispiel ist «Circle Jerk The Wagons», das mehr kickt als die wenigen abgeschliffenen Slogans. In «Seeing Red» macht Gregg Deal seinem Ärger mächtig Luft. «The Worst Among Us» ist ein sehr gelungener Ausflug in den Post-Punk. Musikalisch ist «Animals That Roam The Earth» mit seinem indigenen Refrain das absolute Highlight und der bisher grösste Hit der Band. «No Kings» bewirbt sich um Platz zwei.
Im Fokus bleiben aber die Inhalte und hier sticht klar die indigene Figur «Nobody» als wirkungsvoller Gedankentwist heraus: «Nobody has no home/ Because no Indian is homeless on their homelands/ He has no family/ Except his relations/ Which is everyone/ And no one». So tuckert dieser Zug mit seinen zwölf Wagen durch unser Gehirn, unsere Blutbahnen, unser Herz, unsere Magengrube und verlässt das System nicht mehr, wird Teil der Punkidentität als prophetisches Zeitdokument unserer verbockten politischen Schieflage. Es kann sein, dass er im Mainstream ankommt. Es ist sicher, dass dem vom Faschismus arg zugesetzten Mainstream nichts Besseres passieren kann. Die Zeiten für den Kampf im Untergrund sind vorbei: «Nazi teeth litter the ground/ About that time you come around».
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