
Sub Pop Records / VÖ: 3. April 2026 / Doom, Drone Metal, Avantgarde
sunn.southernlord.com
Text: Cyril Schicker
Nichts gibt es nicht. Selbst ein Loch ist nicht nichts, sondern ein Raum mit geringer Dichte, umgeben von einem Raum mit höherer Dichte. Angesichts dessen die Frage an den Schwarm: „Was ist Musik ohne Beat, ohne Refrain, ohne Strophen?“
Genau, Sunn O))).
Sunn O))) begeistern seit nunmehr 30 Jahren. Ihr neuestes Album „Sunn O)))“ ist das erste für das Label Sup Pop – und alle sechs Lieder machen einfach nur Freude. Wobei Freude wohl nicht ganz das beschreibt, was Sunn O))) auslösen. Mit nur zwei Gitarren, extrem verzerrt und durch unzählige Verstärker gejagt, ertränken sie meine (wie deine) Sinne in Sturzbächen aus Klang. Die Lautstärke stürmt konstant – und doch weht durch jedes Stück ein anderer Wind.
Ganz im Sinne von „nicht fördern, einfach nur fordern“ starten Sunn O))) mit dem über 18-minütigen „XXANN“. Das heisst, fast 20 Minuten lang bist du einer mächtigen Dissonanz ausgesetzt. Das Plätschern im Hintergrund ist wie ein Rettungsanker, wobei du dich dem Ganzen nicht entziehen willst beziehungsweise kannst. Dem hypnotischen Doom bist du ausgeliefert, selbst wenn der Track elendig zu verenden scheint.
Auch die Songs 2 bis 6 sind elendig, ebenso weitläufig und detailreich, bei weitem aber keine leichte, dafür leckerste Kost. Scheiss auf Diät. Scheiss auf Karies. Scheiss auf Zurückhaltung. Bei „Sunn O)))“ von Sunn O))) beisst du genüsslich rein – und dich dann durch. Zähneputzen fällt aus und Zahnseide nutzt du am besten als Rettungsseil, falls der erwähnte Rettungsanker „zu wenig plätschert“.
Das inzwischen zehnte Album zementiert die Kunst von Sunn O))), ihren unverwechselbaren Sound zu noch kühneren neuen Formen weiterzuentwickeln. Beeindruckend – und das nach drei Jahrzehnten Dreimalkostbarkeit.
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