
Peter Doherty + Junior Brother + Xarpi
Bierhübeli – Bern
Freitag, 13. Februar 2026
Text: Peter Burckhardt
Freitag, der Dreizehnte – und Peter Doherty steht auf dem Programm. Kaum ein anderer Musiker verkörpert den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn so konsequent wie der Frontmann von The Libertines. Wer ihn früher live erlebt hat, kennt dieses Gefühl: Wird er auftauchen? Und wenn ja, in welcher Verfassung? Gerade die Shows mit The Libertines waren lange Zeit ein unberechenbares Abenteuer. Doch die dunklen Zeiten abgesagter Tourneen und eskalierender Suchtprobleme liegen inzwischen hinter ihm. Stattdessen präsentiert sich Peter Doherty heute als produktiver Songwriter in Hochform. Zuletzt eindrucksvoll hörbar auf dem Libertines-Album “All Quiet on the Eastern Esplanade”, sowie seinem wunderbaren Soloalbum “Felt Better Alive“. Entsprechend gespannt durfte man sein, was dieser Abend im Bierhübeli bereithalten würde.
Die junge Garage-Rock-Band Xarpi betrat bereits sehr früh die Bühne. Leider konnte ich bei meinem Eintreffen nur noch die letzten, punkig anmutenden Töne erhaschen. Schade. Der geselligen Stimmung zufolge hätte es sich gelohnt, früher zu erscheinen und dem Auftritt der französischen Band zu lauschen.
Nach kurzer Pause kam Peter Doherty höchstpersönlich auf die Bühne, um den zweiten Support-Act des Abends anzukündigen. Welch unkonventionelle und sympathische Geste, die sofort für eine intime und familiäre Atmosphäre im schönen Bierhübeli sorgte.
Der irische Alternative-Folk-Musiker Junior Brother alias Ronan Kealy setzte sich mit seiner Gitarre und einem „Fuss-Schlagzeug“ an den vorderen Bühnenrand und eröffnete sein Set mit einer gepfiffenen Melodie. Junior Brothers Lieder sind kreativ und leidenschaftlich, aber nicht leicht zugänglich. Sein Gesang ist expressiv und bisweilen schräg. Entsprechend irritiert und teils überfordert wirkte das Publikum. Doch sein irischer Charme und seine authentische, hingebungsvolle Darbietung machten vieles wett. Von meiner Perspektive aus konnte ich Peter Doherty und seine Band am Bühnenrand beobachten, wie sie jeden Ton sichtlich genossen. Ich kann mich nur wiederholen: sehr sympathisch. Junior Brother bedankte sich herzlich fürs Zuhören, und obwohl auch ich hin- und hergerissen war, was ich von seiner Art-Folk-Musik halten sollte, hinterliess er einen bleibenden Eindruck.
Nun war die Zeit gekommen für die Hauptattraktion des Abends: Peter Doherty mit seiner Band, zusammengewürfelt aus Freunden und Familie. Mike Joyce (The Smiths) am Schlagzeug, Mike Moore an der Gitarre, Mark Neary (Bass/Pedal Steel) sowie Peter Dohertys Ehefrau Katia deVidas am Keyboard. Ich durfte Peter Doherty im Laufe der Jahrzehnte in allen erdenklichen Formationen live erleben, doch noch nie hatte es sich so stimmig angefühlt, wie an diesem Abend im Bierhübeli. Sofort fühlte ich mich wohl und geborgen, als seine unverkennbare Stimme beim Eröffnungssong „Last of the English Roses“ erklang. Das Auftreten der gesamten Band wirkte ungekünstelt und echt. Peter Doherty agierte gelassen, nahbar und feinfühlig in seiner Rolle als charismatischer Frontmann. Der Tatsache, dass er im Laufe seiner Karriere im Rausch immer wieder Spielorte verwechselte, begegnet er heute mit Humor und bezeichnete das Bierhübeli augenzwinkernd als „Pablos Bierkeller“. Ja, der Rebell in ihm schimmert immer wieder durch, doch heute steht mehr Peter Doherty auf der Bühne denn je. Versunken in seiner Musik, aber präsent, sang er sich an diesem Abend durch sein Lebenswerk.
Das Publikum war angetan, schunkelte und träumte mit, sowohl bei neueren Songs wie „Felt Better Alive“ oder „Ed Belly“, als auch bei älteren Stücken wie „Salome“ oder „Kolly Kibber“. Durchgehend herrschte diese warme, getragene Stimmung, bis der Abschlusssong „Fuck Forever“ von den Babyshambles das Bierhübeli zum Explodieren brachte. Plötzlich lag Punk-Energie in der Luft: Getränke flogen, die Leute tanzten und grölten den Refrain mit. Herrlich! Natürlich flehte das Publikum nach diesem Höhepunkt um eine Zugabe. Die Band liess sich nicht zweimal bitten. Als sich daraufhin ein technisches Problem mit der Gitarre nicht sofort lösen liess, verfielen die übrigen Musiker in eine spontane Jamsession, bevor der Abend mit „There Is a Light That Never Goes Out“ einen passenden Abschluss fand.
Solch intime Konzerte stehen dem feinfühligen Musik-Poeten meiner Meinung nach weit besser, als effektvolle Auftritte vor Zehntausenden. Die Gesichter der Menschen beim Verlassen von „Pablos Bierkeller“ sprachen Bände. Peter Doherty ist am Leben und gefühlt auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

