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Im Gespräch mit Daughtry

12/02/26
von Madeleine Fuhrer

Im Gespräch mit Daughtry

Donnerstag, 5. Februar 2026
Chris Daughtry (Gesang)

daughtryofficial.com / Instagram / Spotify

Gespräch: Madeleine Fuhrer

Vor dem Konzert diesen Donnerstag konnte ich im Vorfeld mit Chris Daughtry über die Veröffentlichung von „Shock To The System“ sprechen. Zusammenfassend behandeln das Album beziehungsweise Part One und Part Two vor allem Themen wie Verlust, Verletzlichkeit und mentale Gesundheit. Zu den zentralen Songs gehören „Antidote“ sowie „The Bottom“. Daughtry erklärte ausserdem die Entwicklung einiger Songs, etwa von „Artificial“, und was ihn zu seinen neuen Tattoos bewegte. Nach COVID änderte sich zudem seine musikalische Ausrichtung hin zu härterem Rock,  im Einklang mit seiner künstlerischen Vision, was von Rockradio und Fans positiv aufgenommen wurde. Aber lest einfach weiter und erfahrt noch mehr darüber.

Madeleine: Wie geht’s dir? Wie läuft die Tour?

Chris: Es läuft grossartig. Heute ist wahrscheinlich erst das vierte Mal, dass ich die Sonne sehe, seit wir die USA verlassen haben. Bisher hat es die ganze Zeit entweder geschneit oder geregnet. Also fühle ich mich heute richtig gut. Ich habe etwas Vitamin D abbekommen und Sonne getankt.

Konntest du also auch ein bisschen rausgehen heute?

Ja, genau. Gestern und heute Morgen bin ich ein bisschen spazieren gegangen.

Du hast „Shock To The System (Part Two)“ letzten Herbst veröffentlicht. Der erste Teil kam ungefähr ein Jahr zuvor heraus. Für mich wirkt das wie eine zusammenhängende Geschichte. Wie hängen diese beiden Teile für dich zusammen? Und was ist die übergeordnete Botschaft von „Shock to the System“?

Wow, gute Frage. Ursprünglich sollte es ein einziges Album werden, aber alles hat viel länger gedauert als gedacht. Also haben wir beschlossen, es in zwei Teile aufzuteilen.

Es war das erste Mal, dass ich wieder im Studio war, nachdem ich meine Mutter verloren hatte und meine Tochter durch Suizid. Da war unglaublich viel, das rauswollte. Das war der eigentliche Auslöser für dieses Album. Trauer, mentale Gesundheit, Verletzlichkeit und die Angst, die beängstigenden Dinge laut auszusprechen.

Wenn sich etwas beängstigend anfühlte, wollte ich genau da hineingehen. Ich hatte zuvor nie wirklich über meine eigenen dunklen Gedanken gesprochen. Vieles hatte ich jahrelang verdrängt. Neben der Trauer wurde ich auch gezwungen, mich selbst genauer anzusehen.

All das ist in die Musik und die Texte eingeflossen. Was als Album über Trauer begann, wurde auch ein Album über mentale Gesundheit und darüber, dass wir alle solche dunklen Phasen kennen. Es ist nichts, wovor man Angst haben sollte. Es ist etwas, worüber wir sprechen sollten.

Ich wollte, dass die Menschen daraus mitnehmen: „Ich bin nicht allein damit.“

Also auch eine Art Unterstützung durch deine Musik für andere für ihre eigenen Geschichten?

Genau.

Es geht also sehr um persönliches Wachstum und Selbstreflexion. Was würdest du sagen, ist der herausragende Song von „Shock To The System (Part Two)“?

Ich liebe beide Teile, aber Part Two ist für mich sehr besonders.

„Antidote“ ist wahrscheinlich einer der herzzerreissendsten Songs, die ich je geschrieben habe. Und live ist er unglaublich schwer zu performen. Er war der perfekte Abschluss für das gesamte Projekt.

Und „The Bottom“ ist für mich ebenfalls besonders, so düster er klingt, ist er eigentlich triumphierend. Es geht darum, zu sich selbst zurückzufinden, gewissermassen von den Toten zurückzukommen.

Du scheinst viel über dich selbst zu reflektieren und dies dann in deinen Songs zu verarbeitest. Wie lief der Songwriting-Prozess? Habt ihr erst alles geschrieben und dann aufgeteilt oder nacheinander?

Ein paar Songs von Part Two gab es schon, bevor wir überhaupt mit Part One ins Studio gingen. „Antidote“, „The Bottom“, das ursprünglich aus drei verschiedenen Songs bestand und „Razor“ waren bereits in Arbeit.

Als wir dann „Artificial“ geschrieben haben, war klar: Stopp. Dieser Song muss sofort raus. Er war komplett anders als alles zuvor. Es ging nicht um Trauer, sondern entstand aus einer Unterhaltung darüber, wie beängstigend die Entwicklung von KI ist.

Unser Produzent hatte dieses extrem harte Riff, das war total neu für uns. Alles hat einfach funktioniert, es klickte sofort. Obwohl das Album noch nicht einmal halb fertig war, mussten wir den Song veröffentlichen.

Danach gingen wir auf Tour, und der Prozess verzögerte sich. Viele der früher begonnenen Songs landeten erst später auf Part Two. Es war gut, dass sie „ruhen“ konnten, so hatten wir Zeit zur Reflexion und konnten die Richtung neu definieren.

„The Day I Die“ war der erste Song, den wir komplett neu für Part Two begonnen hatten, und da wussten wir: Das ist die Richtung.

Ich habe gelesen, dass du deine alten Tattoos überstechen (blackouten) lassen hast. Hängt das auch mit dieser persönlichen Weiterentwicklung zusammen?

Ein bisschen von allem. Meine Tattoos waren nie wirklich durchdacht. Ich fing mit 26 an, dann ein religiöses Motiv, dann passte das nicht mehr zu mir, dann wurde es überarbeitet.

Ich hatte immer Tattoo-Neid bei Leuten mit klaren Konzepten. Beim Videodreh zu „The Dam“ hatten wir diesen „War Paint“-Look. Im heissen Wüstensetting sah ich meine Arme drei Tage lang komplett schwarz und ich konnte das Bild nicht mehr „entsehen“.

Es fühlte sich kraftvoll an, wie eine Art Rüstung. Also habe ich direkt nach dem Dreh einen Künstler gebucht. Es war die brutalste Erfahrung überhaupt. Wirklich extrem schmerzhaft, es war viel Meditation nötig.

Eure Musik ist über die Jahre deutlich härter geworden. War das eine künstlerische oder persönliche Entscheidung?

Ich wollte schon immer härter klingen, dachte aber, ich käme damit nicht durch. Ich kam aus einem sehr radiofreundlichen Rock-Umfeld, beeinflusst durch TV und Label-Erwartungen. Schwerere Songs wurden immer beiseitegeschoben.

Irgendwann glaubte ich selbst, das sei der richtige Weg. Aber ich verlor mich darin. Es war weder Pop noch wirklich Rock.

2019/2020 war ich aus meinem Plattenvertrag raus, ohne Tour, mit Zeit zum Nachdenken. Ich fühlte mich verloren und uninspiriert. Also hörte ich wieder die Bands, mit denen ich aufgewachsen bin: Alice in Chains, Soundgarden, Tool, all diese schweren Sachen.

Und ich dachte, warum mache ich das nicht? Das hat mich doch ursprünglich begeistert. Ich rief meinen Manager an und fragte sogar, ob wir den Bandnamen ändern müssten.

Er meinte, mach einfach, was du willst. Niemand hält dich auf.

Also haben wir es getan. Rockradio hat uns wieder aufgenommen, wir hatten Nummer-eins-Hits. Da wusste ich, mein Instinkt war richtig. Hier gehöre ich hin.

Ich liebe die Richtung, in die ihr gegangen seid. Wenn jemand euch zum ersten Mal hört, welchen Song würdest du empfehlen?

„Heavy Is The Crown“ war der Song, der uns wirklich zurück in diese Welt gebracht hat. Er hat den Leuten gezeigt, das ist ernst gemeint. Und dann natürlich alles von „Shock To The System“.

Super, ich glaube, wir sind durch. Vielen Dank!

Danke dir. Ich hätte noch länger reden können.

Es war mir eine grosse Freude – Danke für deine Zeit und die Möglichkeit. Ich freue mich schon auf die Show.

Vielen Dank an dieser Stelle an Chris Daughtry für seine Zeit und das sympathische Gespräch, an Carlo Pozzi (Head of Promotion, Universal Music Switzerland) für die Organisation und natürlich auch an ARTNOIR für die Möglichkeit.

Eingeordnet unter Interview Schlagworte: Chris Daughtry, Daughtry, Hard Rock, Interview, Madeleine Fuhrer, Rock

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