
Kidnap Music / VÖ: 17. Oktober 2025 / Punk, Hardcore
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Text: David Spring
Wer braucht schon Hoffnung, wenn man Wut und Haltung hat? Mit «Dark Stories» liefern uns N.T.Ä. eine lautstarke Portion ehrlichen, wuchtigen Punkrocks mit Herz, Hirn und Faust. Neun Songs, die empowern, schmerzen, anklagen und aufrütteln. Dabei treffen fünf brandneue Nummern auf die vier Songs der 2020er-EP «Dark Stories Part 1» und bilden zusammen ein Gesamtpaket, das die hässlichen Fratzen unserer Zeit gnadenlos ins grelle Licht zerrt.
Bereits der Opener «Conceal» legt den Kurs fest: stadionreife Chöre, rotziger DIY-Drive und Nadine Nevermores Reibeisenstimme, die zwischen Wut, Verletzlichkeit und Trotz pendelt und nicht selten an die grosse Cecilia Boström von The Baboon Show erinnert. Der Song predigt Selbstbestimmung statt People-Pleaser-Leben und sagt klipp und klar, wie der Hase bei N.T.Ä. läuft. Mit «Away» folgt gleich ein düster-melancholischer Höhepunkt, inklusive so amüsanter wie grobschlächtiger Gastvocals von Lee Hollins (Spermbirds). Der Song balanciert perfekt zwischen Energie und Endzeitstimmung, zwischen Durchhalteparole und Resignation. Die furiosen Riffs und der simple, aber umso treffendere Text gehen direkt ins Herz – was für ein Song.
Andernorts brettert mit «Combat» ein feministischer Kampfaufruf gegen das Patriarchat und die Doppelmoral in die Gehörgänge. Vergoldet durch den formidablen Einzähler von Chris Kotze (Kotzreiz) macht der Track laut und wild alles richtig. «175» gehört zu den wichtigsten Songs der Platte: Der Verweis auf den Paragrafen 175, der Homosexualität in Deutschland bis 1994 unter Strafe stellte, ist ein stolzer Mittelfinger gegen jede Form von Bigotterie. «We are 175!» wird zum kämpferischen Pride-Schlachtruf, getragen von einer druckvollen Gitarrenwand, die unaufhaltsam nach vorne geht. Politische Haltung war bei N.T.Ä. schon immer zentral, doch selten klang sie so eindringlich wie hier. Besonders «Scream» bringt das auf den Punkt: eine klare Ansage gegen den immer schlimmer werdenden Rechtsruck und insbesondere die elende AfD. Teils auf Deutsch gebrüllt, um keinen Zweifel zu lassen, ist dieser Song eine glorreiche antifaschistische Kampfansage.
Der wohl düsterste Song ist «Hope». Nadine keift und brüllt, während die dreckigen HC-Riffs mit einer Aggression und Wut aus den Boxen schmettern, dass es eine Freude ist. N.T.Ä. zeigen sich dabei von ihrer härtesten Seite und vermischen NY-Hardcore mit beinahe postpunkiger Melancholie. Auf der anderen Seite des Spektrums steht «Society». Dieser fast schon ohrwurmverdächtiger Hit erinnert etwas an Pennywise und beweist, dass auch die wütendste Botschaft tanzbare Energie entfalten kann, wenn man sich richtig ins Zeug legt. Und das finale «Lost» wird live wohl jeden Pit ausrasten lassen und zeigt einmal mehr, wie viel Spass guter Punkrock machen kann, wenn alles so toll zusammenpasst.
«Dark Stories» ist keine leichte Kost, aber dafür umso wichtiger. Zwischen Vollgas-Punk, brachialem Hardcore und rotzigem Eigenbau-Sound gelingt N.T.Ä. ein Werk, das Wut kanalisiert und Haltung zelebriert. Die fünf neuen Songs reihen sich hervorragend in die bereits bekannten Stücke ein, gerade weil letztere noch eine Spur rabiater und ungehobelter daherkommen und so schön die musikalische Entwicklung der Band demonstrieren. In einer Welt, die immer schneller zerfällt, liefern N.T.Ä. den Soundtrack zum Aufstehen und überzeugen dabei auf jeder Ebene. Dunkle Geschichten, ja, aber solche, die Mut machen, weiterzuschreien und nie aufzugeben.
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